„Brücken bauen“, das wird für Ivan Repušić in seiner zweiten Saison als Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchester ein Hauptanliegen bleiben. „Aber die baut man nicht nur mit Komponisten, die man aufs Programm setzt, sondern vor allem mit Menschen.“ Und so gibt es 2018/ 19 zwar eigene Abstecher nach Budapest, Zagreb oder ins Allgäu, aber auch eine Reihe internationaler Gäste in München.
Angesagt hat sich unter anderem der Kroatische Rundfunkchor, auf dessen muttersprachliche Kompetenz man bei der konzertanten Aufführung von „Ero der Schelm“ baut. Eine spritzige Komödie von Jakov Gotovac. Wobei Repušić vehement widerspricht, wenn man versucht, die Wahl dieser Rarität auf ihn zurückzuführen. „Man könnte meinen, jetzt will der Kroate eine kroatische Oper machen, aber tatsächlich hatte das Orchester diesen Titel schon länger auf dem Tisch. Darum musste das Stück, das ich mir eigentlich gewünscht hätte, nochmals ein Jahr warten.“
Dass die klassische Musik seiner Heimat international nur wenig präsent ist, „daran sind wir auch selbst schuld, weil wir sie gerne als Folklore-Komponisten abstempeln“, meint Repušić. „Gotovac hat eine großartige komische Oper geschrieben.“ Mindestens ebenso sehr brennt der Dirigent für Verdi. Ein idealer Komponist für sein Orchester und dessen klangliche Entwicklung, findet Repušić. Der Frühwerke-Zyklus wird mit „I due Foscari“ fortgesetzt, Leo Nucci ist als alternder Doge zu erleben. Abgerundet werden die Sonntagskonzerte durch Mozarts „Zaide“ und „Sigismondo“, der zum 150. Todestag Rossinis im Prinzregententheater erklingt. Und dies noch ergänzt durch zwei Abo-Plus-Konzerte: eines mit Opernchören, ein zweites mit Krassimira Stoyanova, die Richard Strauss singt. Neben dem Garmischer Meister, dessen Todestag sich 2019 zum 70. Mal jährt, wird an die 1918 verstorbene Französin Lili Boulanger erinnert, deren „Du fond de l’abîme“ am Beginn der „Paradisi Gloria“-Konzerte steht. Repušić steht am Pult, für die folgenden Runden reicht er den Taktstock an Howard Arman und Duncan Ward weiter.
Ein anderer Name, der in der nächsten Saison sehr präsent sein wird, ist der von Perkussionist Simone Rubino, den man als „Artist in Residence“ unter anderem mit Werken von Toru Takemitsu, Tan Dun, Keiko Abe und Astor Piazzolla erlebt. Und dass man sich auch abseits der klassischen Pfade gut auszudrücken versteht, beweist ein Abend mit Quadro Nuevo sowie die Koproduktionen mit der Theaterakademie, die man bei Saint-Saëns’ „L’Ancetre“ und bei zwei Musicalproduktionen unterstützt.
Informationen:
www.rundfunkorchester.de.