Nein, Matthias Lilienthal möchte sich an diesem Vormittag nicht zu seiner Ankündigung äußern, die Münchner Kammerspiele 2020 zu verlassen. Nur eines ist dem Intendanten bei der Präsentation seines Spielplans für die Saison 2018/19 wichtig: „Man könnte denken, dass ein Theater anfängt, sich bescheiden zu geben, wenn ihm Wind entgegenschlägt.“ Das sei aber „nicht so ganz unsere Art. Wir haben uns gedacht, wir machen ein Projekt, mit dem wir so richtig schön auf die Nase fliegen können.“
Deshalb ist die erste große Premiere der neuen Spielzeit das Antiken-Projekt „Dionysos Stadt“ von Christopher Rüping. Mit acht Darstellern will der Hausregisseur den dionysischen Kult der griechischen Antike ins Schauspielhaus an der Maximilianstraße bringen. „Ich erhoffe mir“, sagt Rüping, „einen Tag der Dionysien für die Stadt München neu zu erfinden.“ Zehn Stunden soll sich seine Inszenierung dafür Zeit nehmen – schließlich seien „acht Stunden schon ein normaler Castorf“, wie Lilienthal anmerkt.
Der Intendant bleibt sich auch in seiner vorletzten Münchner Spielzeit treu: Von den 13 Produktionen, die 2018/19 am Haus neu herauskommen, sind sieben Uraufführungen (siehe Kasten). Experimentell wird es bereits am 4. Oktober bei der Inszenierung „Unheimliches Tal“ – Darsteller ist ein humanoider Roboter, ein von 36 Servomotoren angetriebenes Duplikat des Schriftstellers Thomas Melle („Die Welt im Rücken“). Die Arbeit von Stefan Kaegi will untersuchen, was geschieht, wenn ein Mensch kopiert wird.
Außerdem verspricht die deutschsprachige Erstaufführung von „Das Leben des Vernon Subutex“ nach Virginie Despentes’ Trilogie besonders spannend zu werden. Die Autorin erzählt darin virtuos, klug und unterhaltsam vom Abstieg der französischen Mittelschicht; ihre Romane zählen zu den faszinierendsten, die die französische Literatur in jüngster Zeit hervorgebracht hat. Stefan Pucher bringt dieses Sittengemälde unserer Zeit im März 2019 auf die Theaterbühne.
Drei Neuzugänge gibt es im Ensemble der Kammerspiele: Gro Swantje Kohlhof, die etwa in dem sehr guten Kinofilm „Wir sind jung. Wir sind stark.“ mitwirkte, Vincent Redetzki, der regelmäßig im Magdeburger „Polizeiruf 110“ zu sehen ist, und Eva Löbau. Die Fernsehzuschauer kennen die Schauspielerin vor allem als Kommissarin im „Tatort“ aus dem Schwarzwald.
Am Ende dieses Vormittags sagt Matthias Lilienthal dann doch noch etwas zu seinem Abschied 2020: „Seit meiner Ankündigung ist die Platzausnutzung um zwei Prozent angestiegen.“