„Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ ist der neue Film von Wim Wenders (72), der kommenden Donnerstag in unseren Kinos anläuft. Der international erfolgreiche Regisseur („Der Himmel über Berlin“, „Pina“, „Buena Vista Social Club“) konnte dafür den Papst mehrere Male zu ausführlichen Gesprächen treffen.
-Die Initiative zum Film ging vom Vatikan aus.
Ende 2013 kam ein Brief aus dem Vatikan in meinem Berliner Büro an, vom Präfekten des Sekretariats für Kommunikation. „Könnten wir wegen eines Filmprojekts über Papst Franziskus mit Ihnen reden?“. Im Gespräch eine Weile später wurde klar: Das war eine Carte blanche für einen unabhängig zu produzierenden Film, der auch nicht vom Vatikan finanziert wäre, und für den ich freie Hand hätte. Es gab keinerlei Vorgaben, selbst was für eine Art von Film das werden könnte. Darauf habe ich mich dann gerne eingelassen.
– Was war dann Ihr Ansatz für den Film?
Zwei Grundideen: Zum einen ist der Papst ein Mann, der vorlebt, dass man mit weniger auskommen kann. Also machen wir einen Film, der mit weniger auskommt. Der Papst ist auch nicht eitel, es geht ihm nicht um seine Person, im Gegenteil, er versucht, immer klarzumachen, dass alle Menschen wirklich gleich sind. Deswegen, und das war meine zweite Überlegung, wären auch biografische Ansätze nicht gut. Was mich stattdessen interessiert hat, war vielmehr, dass er sich Franziskus genannt hat. Der erste Papst, der den Namen des Heiligen Franz von Assisi annahm, einem der großen Erneuerer der Kirche und einem Visionär der Menschheit! Damit ging natürlich sofort eine große Erwartung einher. Meine Frage war also auch: Was für ein Erbe tritt ein Papst an mit einem Namen, der für Solidarität mit den Armen und Ausgestoßenen steht? Der darüber hinaus auch eine komplett neue Einstellung zur Natur und zu „Mutter Erde“ fordert.
– Wie haben Sie diese Freiheit von Seiten des Vatikans wahrgenommen: als Freiheit oder als Last?
Keinerlei Vorgaben zu haben, war erst einmal wunderbar. Doch schon beim Schreiben des Konzepts und später dann auch im Schnitt wurde klar, was für eine Verantwortung mit diesem Projekt einherging. Das war schließlich auch eine große Last auf meinen Schultern.
-Inwiefern hat bei diesem Prozess Ihr eigener Glaube eine Rolle gespielt?
Als gläubiger Mensch hat alles, was man tut, auf die eine oder andere Art mit dem Glauben zu tun. Wie soll man das voneinander trennen? Der Vatikan hat mich aber nicht gefragt, weil sie wussten, dass ich katholisch aufgewachsen bin oder einen Ehrendoktor der Theologie habe. Vielleicht haben sie sich meine früheren Dokumentarfilme angeschaut. Als der Brief kam, war „Das Salz der Erde“ (Wenders’ Dokumentation über den Fotografen Sebastião Salgado, Anm. d. Red.) jedenfalls noch nicht erschienen. Aber der Präfekt, Dario Viganò, ist ein richtiger Cineast, der auch Film studiert hatte. Dass ich dann gesagt habe, „Ja, das mache ich!“, dazu hat mein Glaube bestimmt beigetragen. Es hat mich natürlich auch enorm interessiert, mich Auge in Auge mit dem Papst unterhalten zu können – und das gleich mehrere Male.
-Was hat Ihnen am meisten imponiert?
Wie herzlich er sofort war. Wir standen alle mit klopfendem Herzen da: Wir drehen jetzt mit dem Papst! Aber er hat schon mit seinem Auftritt klargestellt: Ihr müsst Euch keine Sorgen machen. Er hat jeden Einzelnen begrüßt, angefangen bei den Beleuchtern. Franziskus hat auch jedem dieselbe Zeit gegeben, mit jedem ein paar Worte gewechselt.
-Sie behandeln im Film sehr viele unterschiedliche Themen. Gibt es dabei einen Aspekt, der Sie auch im Nachhinein noch zum Nachdenken gebracht hat?
Das Engagement von Papst Franziskus für soziale Fragen ist umfassend. Am meisten aber hat mich beeindruckt, wie er das zusammengebracht hat: die Klimaproblematik und die Armut.
Das Gespräch führte Aliki Nassoufis.