In der TV-Serie „Black Mirror“ geht es um paranormale Erfahrungen mit der digitalen Wirklichkeit und die Verhandlung von Öffentlichkeit im Zeitalter entgrenzter Privatheit. Zu diesem Kernthema der Münchener Biennale 2018 hat die Hochschule für Musik und Theater „Liminal Space“ beigesteuert. Mit ihren sieben Kurzopern kann die „Musiktheater im Reaktor“-Produktion als musiktheatrales Pendant der Serie gelten.
Die Inszenierung von Waltraut Lehner ist elegant, mit minimalen Umbauten fließen die Szenarien ineinander: Schrill-schön ist Alexander Mathewsons Science-Fiction-Fabel der freundlichen „Giant Slugs from Outer Space“, die in Trumps USA empfangen werden. Skurril auch Maximilian Zimmermanns „Vier Temperamente“, die in einem stecken gebliebenen Aufzug aufeinanderprallen.
Prototypisch stoßen bei Philipp Christoph Mayers „Wenn die Kehrwoche beginnt“ Spießertum und Messie-Proleten in einem Treppenhaus aufeinander. Zur Bühne wird hier die zentral platzierte Publikumstribüne, auf der sich der Zuschauer beständig wenden muss, um die im Raum verteilten Szenen zu verfolgen. Mit dieser räumlichen Anordnung spielt die dreidimensionale Partitur von „Träns“, mit der Caio de Azevedo einen skurrilen carnaval carioca veranstaltet. Bedrückend sind die Szenarien in Felix Bönigks „Klio“, die in einem Aschregen soziale Kälte erfährt; die aschebedeckte Bühne bildet auch das Bild zu Robin Beckers apokalyptischer Vision „Kein Tränendes Aug’ von lachender Macht“. In „Hello I Love you“ befragt Jakob Stillmark anhand von Love-Chats den Schutz privater Sehnsucht im öffentlichen Raum der neuen Medien.
Die Themen sind relevant und viele Ideen gut. Allerdings stößt das Fehlen von Nachwuchskomponistinnen auf und ist „Liminal Space“ im Kontext der Biennale-Beiträge doch deutlich erkennbar ein Studentenprojekt. Was nicht die Leistung der Solisten und des ensemble oktopus schmälern soll, das unter der engagierten Leitung von Jan Müller-Wieland im versenkten Orchestergraben unter einer Plexiglasscheibe spielt.