Eine weitere Laufbahn für Thomas Pekny? Der hierzulande und in seiner Heimat Österreich viel beschäftigte Ausstattungskünstler lehrt zudem seit 1996 an der Pforzheimer Hochschule „Experimentelle Gestaltung, Mode- und Bühnenkostüme“. Aber das Leben scheint ihn immer wieder zu neuen Unternehmungen herauszufordern. 2016, nach dem Tod seiner Lebensgefährtin Margit Bönisch, sichert er das Fortbestehen ihrer Münchner Komödie im Bayerischen Hof. Von jetzt auf gleich übernimmt er die Intendanz. Und wagt sich nun zum ersten Mal mitten hinein in Wort, Inhalt und Spiel: Carlo Goldonis „Mirandolina“, 1753 uraufgeführt in Venedig, hat in Peknys Inszenierung und Ausstattung nach kurzer Tournee-Phase morgen München-Premiere an seinem Haus.
In die Theaterwelt wurde Pekny praktisch hineingeboren. Beide Eltern sind Schauspieler, die heute 94-jährige noch rüstige Mama Eva Petrus-Pekny und Romuald Pekny (1920-2007), eine Koryphäe, ab 1958 in großen Rollen an den Münchner Kammerspielen bewundert. „Natürlich hat mich mein Vater ins Theater mitgenommen. Aber Schauspielen hat mich nicht interessiert. Ich wollte Handwerker sein“, so Pekny geradeheraus. Damals habe er „im Malersaal Balsaholz gesehen, riesige Klötze“, für ihn eine frühe und bleibende Inspiration: „Ja, ich mag keine unehrliche Bühne, nicht Realität vortäuschen mit Styropor zum Beispiel.“ Nach der Rudolf-Steiner-Schule in München besucht er die Fachschule für Schreiner und Holzbildhauer. Holz ist später immer wieder sein bevorzugtes Material. Danach studiert er an der Münchner Akademie der Bildenden Künste mit Fokus „Szenenbild“.
Und wieso jetzt, nach 43 erfolgreichen Jahren der Sprung in die Regie? Zuerst antwortet der Professor in Pekny: „In jedem Studiengang hatte die ‚Kommunikation im Raum‘ eine Mittelpunktswichtigkeit, wie ich es nenne. Die Menschen sind es, die alles im Raum formen.“ Reflektierende Lehrtätigkeit also, aber vor allem die ständige Zusammenarbeit mit den verschiedenen Regisseuren, das aktive Miterleben der Theatergeburt eines Textes waren für Pekny zwangsläufig eine intensive Schulung. Gleiches weiß man von dem großen Jürgen Rose, der nach 35 Jahren Bühnen- und Kostüm-Gestaltung sein Debüt als Opernregisseur gab.
Warum wählte Pekny ausgerechnet „Mirandolina“? Die Titelfigur ist eine attraktive Wirtin, die einem Frauenverächter eine Lektion erteilt, indem sie ihn verliebt macht und am Ende dann doch ihren Kellner Fabrizio heiratet. „Es passierte so viel in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Es war die Aufklärung, man ging weg vom dogmatischen Denken“, ist Peknys schnelle Antwort. „Und diese Mirandolina ist ja ein moderner heutiger Frauentyp: eigenständig, klug, sprachgewandt und dabei gleichzeitig sich ihrer weiblichen Reize bewusst. Mirandolinas Vielschichtigkeit, ihre Strahlkraft – da sehe ich übrigens sofort meine Mädels an der Hochschule – machen diese Figur für mich so spannend.“ Schon vor Jahren wollte Pekny diesen Goldoni-Klassiker inszenieren: „Margit Bönisch war auch einverstanden, hat jedoch damals im Hinblick auf ihr Publikum noch gezögert. Aber im Grunde ist die Mirandolina ja der selbstbewussten ,Weißen Rössl‘-Wirtin Josepha Vogelhuber ganz ähnlich.“ Also müsste doch dieses Stück, so Peknys implizites Argument, die Komödien-Habitués ansprechen.
Dass er auf die Auslastung seines Hauses achten muss, ist dem Prinzipal nur allzu bewusst. Um eine städtische Subvention hatte ja schon Bönisch vergeblich gekämpft. „Ich verstehe es nicht, wir sind doch neben dem Residenztheater und den Kammerspielen das drittgrößte Theater in München“, macht Pekny seiner Enttäuschung Luft. „Als wir jetzt aus unseren alten Probenräumen raus mussten, hatten wir uns von der Stadt wenigstens die Bereitstellung einer neuen Probe-Bühne erhofft, als eine Art indirekte Subvention. Selbst nach all den Hilferufen in den Zeitungen: nichts!“ Und er schiebt nach: „Das Berliner Theater am Kurfürstendamm, nur zum Beispiel, bekommt die Miete im Gegenwert von einer Million Euro. Wir können nur durch unser Tournee-Unternehmen überleben.“ Die dafür zu leistende komplexe Organisation, das kann sich auch der Laie vorstellen, ist eine gewaltige Belastung. „Gott sei Dank habe ich gute Mitarbeiter an meiner Seite, vor allem Veronika Freitag, die seit 15 Jahren in unser Tourneegeschäft eingearbeitet ist“, kommt bei Pekny gleich wieder seine Freude am Theater-Führen durch. „Natürlich bin ich stolz, dass ich die Komödie leiten darf, dass ich auch vollen Rückhalt habe von Innegrit Volkhardt (Geschäftsführende Gesellschafterin des Hotels Bayerischer Hof, wozu die Komödie gehört; die Red.).“
In seiner ersten Spielzeit, also 2016/17, habe es mehr Eigenproduktionen gegeben, insgesamt über 415 Vorstellungen und eine Rekordzahl von 135 000 Zuschauern. Fakt ist: Die traditionsreiche Komödie im Bayerischen Hof trägt zur Farbigkeit der Kulturstadt München bei. Ob ihr das nicht eine Unterstützung wert sein sollte?
Premiere
ist heute, weitere Vorstellungen bis 29. Juli;
Karten: 089/ 29 16 16 33.