Tanja Maljartschuk ist mit dem 42. Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet worden. Die aus der Ukraine stammende und in Wien lebende Schriftstellerin (Foto: Gert Eggenberger/dpa) erhielt die mit 25 000 Euro dotierte Ehrung, die als eine der renommiertesten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum gilt, in Klagenfurt für ihren Text „Frösche im Meer“. Darin thematisiert Maljartschuk, Jahrgang 1983, das fehlende Interesse der jüngeren Generation an ihren betagten Verwandten und die Probleme einer sozial ungleichen, fremdenfeindlichen Gesellschaft.
Das Drama „Shoplifters“ von Hirokazu Kore-eda ist auf dem Filmfest München als bester internationaler Film ausgezeichnet worden. Der japanische Regisseur erzählt von einer Familie, die sich mit Ladendiebstählen über Wasser hält und eines Tages ein obdachloses Mädchen bei sich aufnimmt. Hirokazu Kore-eda breche die Familie als kleinste Zelle der Gesellschaft auf, sodass sie sich selbst neu erfinden könne, urteilte die Jury bei der Verleihung des mit 50 000 Euro dotierten Arri/Osram Awards. Wie berichtet, hatte der Film bereits in Cannes die Goldene Palme gewonnen. In München ging der mit 15 000 Euro dotierte Preis für den besten internationalen Nachwuchsfilm an „Border“ von Ali Abbasi. Im Zentrum steht eine Frau mit enormem Geruchssinn. Sie sei die gejagte Außenseiterin, deren Perspektive einen Blick hinter die Maske des vermeintlich Normalen werfen lässt, urteilten die Juroren. Das Filmfest ist am Samstag zu Ende gegangen, während der zehn Tage waren rund 80 000 Karten verkauft worden.
Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat den politischen Entscheidungsträgern der Welt vorgeworfen, Rückschritte im Umgang mit Flüchtlingen zu machen. „Staaten werden zunehmend ausländerfeindlicher, abweisender und verschlossener gegenüber einer Diskussion bedeutender Fragen der Menschlichkeit“, sagte der 60-Jährige. Er forderte die politischen Führer einschließlich Kanzlerin Angela Merkel auf, „fundamentale Menschenrechte und das Menschliche“ in der Migrationspolitik nicht aus den Augen zu verlieren. Der Künstler ist derzeit in Myanmar, um sich in dem südostasiatischen Land ein Bild von der Lage der muslimischen Minderheit der Rohingya zu machen. Mehr als 700 000 Angehörige der Volksgruppe sind vor den Militärs nach Bangladesch geflohen.