Konzertkritiken

Voller Spannung

von Redaktion

Münchner Philharmoniker,

Gasteig

Zu Dur-trunken, zu pompös, um wahr zu sein – so reckt sich der Schluss von Schostakowitschs fünfter Symphonie in eine lärmende Apotheose empor. Krzysztof Urbanski und die Münchner Philharmoniker blieben am Freitag im Gasteig dieser letzten grellen Maske nichts schuldig. Dass Urbanski das Werk liebt, hörte man, dass er es genau kennt, sah man: Der 36-Jährige dirigierte ohne Partitur. Mit präziser Zeichengebung schwor er das Orchester auf sich ein und ließ es schon im geheimnisvoll beginnenden Kopfsatz markant artikulieren. Spannungsvoll und dynamisch lenkte er die Philharmoniker bis in einen grellen Marsch und ließ den Satz mit dem eigenwilligen Einsatz der Celesta verklingen. Ins Kirmeshafte durften vor allem die agilen Holzbläser und Hörner das Scherzo treiben, dem ein von Trauer umwölktes Largo folgte. Nicht nur die dunklen Streicher klagten, auch Oboe und Solo-Violine verstärkten das Lähmend-Lastende, während Flöten und Harfen von großer Verletzlichkeit erzählten. Mit farbiger Klangfülle wischten Dirigent und Orchester vordergründig – wie Schostakowitsch es unter Todesangst vor Stalin beabsichtigte – alle Bedenken vom Tisch, verhehlten aber dennoch das Grauen nicht.

Zuvor hatte Truls Mørk in Dvořáks Cellokonzert mit seinem intensiven Ton und flinkhändiger Technik die vom verträumten Gesang bis zum dramatischen Sich-Behaupten reichende Ausdrucksskala souverän erfüllt. Da auch Urbanski die gesanglichen Qualitäten des Werkes herausstellte, wurde hörbar: So muss Böhmen klingen, wenn einen im fernen Amerika das Heimweh plagt. gabriele luster

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