Zum Auftakt seiner Intendanz lud Matthias Lilienthal im September 2015 zum Schlafen auf Verkehrsinseln ein. „Shabby Shabby Apartments“ hieß das urbane Experiment, von den Kammerspielen in Kooperation mit dem Büro raumlabor ausgerichtet. Manche waren verstört, aber andere auf einen Schlag aufmerksam geworden. Egal wie man das damals umstrittene Projekt sah, die Idee dahinter verdiente eine Fortsetzung. Man wollte in einer Stadt wie München, in der bezahlbarer Wohnraum längst als das höchste Gut angesehen wird, die Bürger zur Diskussion anregen. Zwar bilden verzweifelte Wohnungssuchen nach wie vor einen festen Bestandteil jedes Partygesprächs. Doch Lilienthal wollte die Münchner aus ihrer Schicksalsergebenheit locken. Sie sollten sich mehr austauschen, enger zusammenwachsen, die eigene Stadt energischer mitgestalten.
Nach wie vor spürt Lilienthal der Eigenlogik und -dynamik der Stadt nach. Ergebnis offen. Das von ihm erdachte Projekt „X-Wohnungen“, das urbane Räume anders erkundet, gastierte mittlerweile erfolgreich in vielen Metropolen der Welt. Ein neues, eng damit verknüpftes Experiment sind nun die „X Shared Spaces“, die von morgen bis 22. Juli stattfinden. Gemeint sind damit drei unterschiedliche Stadtspaziergänge durch München. Allerdings verlaufen die Routen (I durch Neuaubing, II durch die Parkstadt Schwabing und III durch die Ludwigsvorstadt) nicht durch die sattsam bekannten und pittoresken Viertel, sondern durch eher unwirtliche Gegenden wie das Ramses-Hochhaus am Westkreuz oder das wenig anheimelnde Freimann.
Dort gehen Künstler mit dem Publikum der Frage nach, wie die „Sharing Economy“ von heute den Alltag und den Lebensraum verändert. Was machen Online-Plattformen wie Tinder, Airbnb, Uber, DriveNow oder Foodora mit der Gesellschaft? Wird alles besser, weil niemand mehr etwas besitzen muss, sondern alle alles teilen können? Oder ist das eine naive Hoffnung, da immer irgendwer auf der Strecke bleiben wird? 21 Appartements, Wohngemeinschaften und Mikrowohnungen können täglich von 15 bis 20.30 Uhr besucht werden. Die Aufführungen dauern meist um die zehn Minuten. Danach geht’s, ähnlich wie bei der „Langen Nacht der Musik“, weiter zur nächsten Station des Rundwegs. Diesmal eben zu Fuß.
Von 19. bis 22. Juli,
Infos: www.muenchner-kammerspiele.de.