Gerade boomt es an den US-Kinokassen. Den Superhelden aus „Avengers: Infinity War“ und „Die Unglaublichen 2“ ist es mit zu verdanken, dass im zweiten Jahresquartal eine Rekordsumme von 3,3 Milliarden Dollar eingenommen wurde, das beste Drei-Monats-Einspielergebnis von April bis Juni überhaupt, gut 22 Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland ein anderes Bild: Drei Monate gutes Wetter und die Fußball-WM sorgten in der ersten Jahreshälfte für Umsatzeinbußen von etwa 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so rechnete der Verband der Filmverleiher vor.
Doch die alte Frage bleibt: Ist das Kino nicht längst zum Sterben verurteilt unter der wachsenden Bedrohung durch Video-on-Demand-Dienste (VoD) wie Netflix oder Amazon? Gerade die Streaming-Revolution wirbelt Hollywood auf. 2017 meldete der US-Kinomarkt die niedrigste Zahl von Ticketverkäufen seit 1992. Nur höheren Eintrittspreisen war es zu verdanken, dass die Gesamteinnahmen von 11,12 Milliarden Dollar nicht abrutschten.
Netflix, Marktführer beim Video-Streaming mit weltweit über 125 Millionen Nutzern, will 2018 rund acht Milliarden Dollar ausgeben und bald die Hälfte seiner Inhalte selbst produzieren. Dazu zählen Serien, Filme, Dokumentationen und Comedy-Formate. Dazu kommt: Die Stars laufen zu Netflix & Co. über. Jennifer Aniston sagte im Mai der Komödie „First Ladies“ zu – in der Rolle einer lesbischen US-Präsidentin. Will Ferrell schreibt für den Streaming-Dienst eine Eurovision-Komödie und soll auch selbst die Hauptrolle spielen. Ende 2017 gab der Online-Riese bekannt, er werde die Vorgeschichte der „Herr der Ringe“-Saga als TV-Serie auflegen. Hollywood hält mit eigenen Streamingdiensten dagegen. Der Disney-Konzern will ab 2019 gegen Gebühren eigene Filme exklusiv im Netz anbieten. Das alles hilft den Kinobesitzern aber nicht weiter, die nun zu anderen Mitteln greifen, etwa zu technischen Gimmicks wie Virtual-Reality-Stationen in Foyers oder Live-Übertragungen von Sport- und Musikveranstaltungen.
Interessant ist: Netflix setzt trotz technischer Neuerungen auf eine altbewährte Vermarktungsstrategie, etwa auf riesige Plakatwände am Straßenrand. Jason Squire hält das für einen cleveren Plan. „Hier fahren wichtige Leute aus der Entertainmentindustrie entlang, die Entscheidungen treffen“, sagt der Professor an der kalifornischen School of Cinematic Arts. Mehr noch: „Es ist auch große Prahlerei.“ Netflix wolle damit den Eindruck vermitteln, dass man mit den Studios auf einer Stufe stehe. „Und ich denke, das tun sie schon.“