„Da ist ja eine Wolke“, entfährt es Klaus Doldinger unvermittelt. Für den unverwüstlichen Jazzer ist das aber nur eine Feststellung – und kein Grund zur Besorgnis. „Wir halten hier stand“, beruhigt er das Publikum im fast ausverkauften Brunnenhof der Münchner Residenz. Und so kommt es denn auch, das Wetter bleibt brav und trägt zu einem wunderbaren Freiluftkonzert bei.
Es ist schon erstaunlich: Seit 63 Jahren steht Doldinger auf der Bühne, absolvierte in dieser Zeit mutmaßlich mehr als 5000 Auftritte und ganz offenkundig hat er auch mit 80 noch echte Freude an seiner eigenen Musik. Dazu gehört auch der Anspruch, nicht einfach ein plattes „Best of“ zu bieten, was er natürlich könnte. Selbstverständlich spielt er das Leitmotiv des Kinofilms „Das Boot“ (in einer sehr schmissigen Version), schließlich ist Doldinger Profi und weiß, dass die Menschen das sehr gerne hören. Aber er spielt auch viele weniger bekannte Stücke sowie neue Kompositionen – weil es ihm erkennbar selber gefällt.
Nun war Doldinger noch nie einer jener Jazzer, denen der Spaß am Experimentieren wichtiger war als das Hörvergnügen des Publikums. Aber Mut zum schrägen Klang hat er sehr wohl, und man ist auch dankbar dafür, denn es ist außergewöhnlich gut, was der Mann und seine exzellente Band Passport live können. Die dreiköpfige Percussion-Sektion alleine hätte den Abend gelohnt, so perfekt wie sie sogar einen 7/4-Takt swingen lassen. Wenn Doldinger nicht sein Saxofon bearbeitet, steht er am Bühnenrand und hört versonnen seinen Jungs zu, die seine Kompositionen so hingebungsvoll mit Leben füllen. Er hat Spaß daran – und die Menschen im Brunnenhof auch. Zwischendurch ist immer noch Raum für nette Anekdoten aus Doldingers Karriere, die er launig und uneitel zum Besten gibt. Ein sehr schöner Abend, wie von Doldinger versprochen.