Die Verfilmungen der Heimatkrimis von Rita Falk rund um den maulfaulen Dorfpolizisten Franz Eberhofer und seine sanft bis komplett durchgeknallten Freunde und Familienmitglieder sind Kult. Mit „Sauerkrautkoma“ geht’s ab morgen in die nächste Runde. Wir sprachen darüber mit Simon Schwarz (Jahrgang 1971), der den Birkenberger Rudi, Franz’ Spezl, spielt.
-Zum fünften Mal Rudi Birkenberger – macht das noch Spaß?
Ganz einfach: ja. Was wir da mittlerweile im Team haben, lässt sich am ehesten mit der Nationalmannschaft beim Fußball vergleichen: Alle kennen sich und spielen das ganze Jahr durch für andere Vereine. Aber einen Fixpunkt gibt es, da trifft man sich. Also quasi im Trainingslager. Das wäre vielleicht anders, wenn wir uns privat nicht so gut verstehen würden. Aber da zum Beispiel der Sebastian Bezzel und ich privat wirklich gut befreundet sind, freuen wir uns immer sehr auf unser Wiedersehen und die Arbeit. Außerdem mag ich auch meine Figur einfach wahnsinnig gern.
-Der Rudi wird langsam richtig interessant.
Finde ich auch. Der entwickelt sich gut weiter und ist ein spannender Charakter geworden. Gerade jetzt im „Sauerkrautkoma“ erhält er wieder neue Facetten. Da sieht man zum ersten Mal genauer, was für ein bemitleidenswerter Typ das ist. Der hat niemanden. Aber trotzdem geht er seinen Weg und verrät sich selbst nicht. Er hat eine Meinung, und die vertritt er, aber nicht unangenehm.
-Findet diese Entwicklung auch in den Büchern statt, oder haben sich das Stefan Betz und Regisseur Ed Herzog für ihre Drehbuchbearbeitung ausgedacht?
Die Bücher und die Filme haben doch eine recht unterschiedliche Entwicklung. Man kann den Roman unmöglich einfach nur umsetzen. Aber es passiert auch viel erst am Set. Die Figur arbeitet das ganze Jahr über in mir weiter, und für den nächsten Film habe ich schon wieder mehr im Kopf als nur das, was im Buch steht.
-Das heißt, da steckt etwas vom privaten Simon Schwarz drin, im Rudi?
Ich versuche, bei jeder Szene etwas zu finden, was ich mit mir privat verbinden kann.
-Die Dosenravioli etwa, die der Rudi so gerne isst?
Ja, zum Beispiel. Die habe ich früher gerne gegessen. Bei Bergwanderungen, wenn ich zelten war, da haben wir uns die immer mitgenommen. Das war praktisch, weil man die auf den Gaskocher stellen konnte in der Dose oder sie auch gleich kalt löffeln.
-Kalt, echt?
Klar, warum nicht? Ich habe auf alle Fälle bis heute eine gute Beziehung zu Dosenravioli.
-Regisseur und Co-Autor Ed Herzog ist auch zum fünften Mal dabei.
Das spielt natürlich eine große Rolle, wenn es um diese speziellen Details und den Charme geht, den die Filme besitzen. Herzog kennt den Kosmos mittlerweile so gut, dass er beim Schreiben schon manche Ideen einfließen lassen kann, die wir beispielsweise während der letzten Dreharbeiten hatten.
-Wird dadurch nicht alles immer ähnlicher, und die Filme unterscheiden sich viel zu wenig voneinander?
Es geht ja eigentlich um den Kosmos Niederkaltenkirchen und weniger um den Kriminalfall, das ist schon klar. Mittlerweile sind es jetzt fünf Kinofilme. Das ist wirklich eine Reihe wie „Stirb langsam“. (Lacht.) Es ist aber wahrscheinlich wie beim Fußball: Solange alles gut läuft, lässt man sie so weiterspielen. Irgendwann läuft es nicht mehr, und dann kommen die Trainerwechsel und alle wissen es besser. Ich denke mir, diese Reihe ist inzwischen wie ein Computerspiel, bei dem man neue Level erreichen kann.
-Sie sind jetzt auch als Produzent tätig. Ihr Film „Zerschlag mein Herz“ tourt derzeit auf verschiedenen Festivals. Keine Lust mehr, sich vor der Kamera abstrampeln zu müssen?
Das Produzieren hat mich immer interessiert, weil ich gerne von Anfang an bei einem Projekt dabei sein würde und den Stoff mitentwickeln möchte. Nicht nur als Schauspieler zum Set kommen und loslegen, sobald die Kamera läuft. Sieht man sich international einmal um, ist das auch gar nichts Unübliches. Gerade bei Serien sind oft die Schauspieler mit beteiligt. Was das Abstrampeln angeht, das ist als Produzent nicht weniger heftig als vor der Kamera, habe ich gelernt. Aber ich muss wirklich nicht immer im Rampenlicht zu stehen.
-Das ist doch, was Schauspieler lieben?
Nein. Ich habe bemerkt, dass ich sehr gut weiter hinten stehen kann. Vielleicht muss man dazu erklären, dass meine Herangehensweise als Schauspieler auch nie so war. Das wird heute in Zeiten von Instagram und Youtube oder Facebook vermutlich anders sein. Aber damals konnte man noch kein Geld damit verdienen, nur auf dem Roten Teppich zu posieren. Da stand nicht das Berühmtsein im Vordergrund, sondern das Hineinschlüpfen in eine andere Figur.
-Steckt nicht in jedem Schauspieler eine Rampensau?
Ich glaube, eben nicht. Ich glaube, es gibt viele Schauspieler, die stehen gerne in vorderster Front und vermitteln genau dieses Bild eines Schauspielers. Aber ich finde, darum sollte es nicht ausschließlich gehen. Meine Motivation war zumindest eine andere. Ich wollte möglichst viele Sachen ausprobieren und bin bis heute froh, in jeder neuen Rolle jemand anderes sein zu dürfen.
Das Gespräch führte Ulrike Frick.