Nicht aus der Hüfte geschossen

von Redaktion

Ex-Finanzminister Kurt Faltlhauser brachte jetzt sein Buch „Münchner Kulturbauten – Zerstörung und Wiederbelebung“ heraus

Von Simone Dattenberger

„Wenn der Einzelne nicht mit Feuereifer dahinter her ist, dann geht nichts vorwärts“, sagt Kurt Faltlhauser (CSU) im Gespräch mit unserer Zeitung. Das wusste und weiß er bis heute. Als Finanzminister in der sparlastigen Stoiber-Zeit wurde er ein Neben-Kunstminister. Wenn man Bayerns Schlösser verwalten darf – manchmal auch muss – und wenn man Geld für die Kunst zur Verfügung stellt, sollte man die eigene kunstnarrische Ader nicht abschnüren. Faltlhauser suchte deswegen einen Weg zwischen Sparsamkeit und Großzügigkeit. Bereits in dem dicken Band „Bauen für die Kunst. Ein Werkstattbericht aus der Ära Stoiber“ (2013) legte der historisch denkende Landespolitiker Zeugnis und Rechenschaft ab, etwa über die Pinakothek der Moderne oder das Museum Buchheim. In dem wesentlich schmaleren aktuellen Buch „Münchner Kulturbauten – Zerstörung und Wiederbelebung“ geht es um die Sanierungen und teils um die Vitalisierung von Cuvilliéstheater, Altem Hof, Staatskanzlei, Allerheiligen-Hofkirche und Hubertussaal im Nymphenburger Schloss.

Alles Baukörper, die sehr unterschiedlich sind: in ihrer architekturhistorischen Bedeutung, in ihrer politischen, in ihrer Wichtigkeit für Bayerns Identitätsstiftung, in ihrer öffentlichen Lebendigkeit. Faltlhauser hat sich erneut auf die Akten im Finanzministerium gestürzt und sie so genau wie geduldig ausgewertet. Damit verschafft er dem Leser Hintergrundwissen, das sonst nicht leicht zugänglich wäre. Was noch wichtiger ist – gerade in Zeiten leichtfertiger Demokratieschelte: Er schildert, wie politische Prozesse in der Demokratie ablaufen – und dass genau dieses das bestmögliche Verfahren ist. Der Ex-Finanzminister unterstreicht, dass kein Geld vorhanden war und dass er dennoch Bauten retten wollte.

So aktivierte er eine urdemokratische Strategie, das bürgerschaftliche Engagement, ein Verhaltensmuster, ohne das keine Gemeinschaft überleben kann. Besonders beglückend funktionierte das Zusammenspiel von Bürgern – auch Dirk Ippen, der Verleger unserer Zeitung, war maßgeblich beteiligt – und Politikern (die ja auch Bürger sind) beim Cuvilliéstheater, dem einzigartigen Rokoko-Bühnentraum. Witzig und leicht sarkastisch erzählt Faltlhauser, wie seine rechte Hüfte (!) entdeckte, dass es höchste Zeit wäre, das Theater zu retten. Und nicht nur als „Museum“, sondern als bespielbares Haus. Der Verein „Comité Cuvilliés“ sollte zehn Prozent der Bausumme (22 Millionen Euro) sammeln. Das gelang bis 2006 so gut, dass am Ende fast eine Million Euro zu viel vorhanden war. Damit wurde der etwas triste Zierhof in das luftige Foyer Comité-Hof mit Glasdach umgewandelt.

Gab es beim Cuvilliéstheater keinen Dissens, wurde bei den Projekten Alter Hof und Staatskanzlei umso mehr gestritten – so wie heute um die Arkaden der Alten Akademie. Dass all das irgendwann in die bayerische Geschichte eingebettet sein wird, machen die (kunst-)historischen Texte von Sabine Heym und Lothar Altmann deutlich. Sie ergänzen sachkundig die politischen Ausführungen und relativieren wohltuend das schnelllebige Alltagsgeschäft.

Kurt Faltlhauser, Sabine Heym, Lothar Altmann:

„Münchner Kulturbauten – Zerstörung und Wieder- belebung“. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 165 Seiten; 22 Euro.

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