Erst einmal ist Zeitungslesen angesagt, wenn man „Resonanz von Exil“ im Salzburger Museum der Moderne auf dem Mönchsberg betritt. Der Besucher sollte in der Immigranten-Zeitschrift „Aufbau“ schmökern, dem Vereinsblatt des German Jewish Club in New York. Sie erschien ab Ende 1934. Bewegend, wie Lion Feuchtwanger die deutschen (Film-)Kollegen direkt anspricht, weil sie seinen Roman „Jud Süß“ für einen ekelhaften Propagandafilm missbrauchten. Seine ethische Analyse ist frappierend hellsichtig; und alles, was er über das Nachkriegsverhalten vorhersagt, ist eingetroffen. Das Team um Museumschefin Sabine Breitwieser macht klug weiter mit der Erforschung der Schicksale von Exil-Künstlern und ihrer Integration ins neue Land.
Sie wird bei der aktuellen Schau „Resonanz von Exil“ energisch herausgearbeitet. Denn allen sechs vorgestellten Künstlern gelang es, ihre Flucht-Heimat mit ihren schöpferischen Impulsen zu bereichern. Valeska Gert (1892-1978) ist in dieser Gruppe von gebürtigen Wienern die einzige Deutsche – Berlinerin. Gert, auch engagiert an den Münchner Kammerspielen, war die Wildeste. Schon die paar Filmszenen im Mönchsberg-Museum von ihrem Tanz-Schauspiel beweisen, was das für eine Ausnahme-Persönlichkeit war. Und man muss schmunzeln: Sie war wohl zu verrucht für die Leute vom „Aufbau“, der sogar vor dem Besuch ihrer „Begger Bar“ warnte. Mit solchen Cabaret-Kabaretts überlebte sie in New York, Zürich, Berlin sowie Kampen, hatte und bot anderen eine Bühne für Experimente.
Lisette Model (1901-1983) und Madame d’Ora (Dora Kallmus 1881-1963) waren Fotografinnen. Model wurde in den USA mit ihren schonungslosen Menschen-Bildnissen zu einer Größe, die bis heute die dortigen Fotokünstler prägt. Madame d’Ora, die die Nazi-Besetzungszeit ab 1942 in einem Dorf bei Lyon überlebte, hatte als Wiener Modefotografin längst schon ein Standbein in Paris und war in zahllosen Zeitschriften präsent. Nach dem Krieg wurden ihr „harte“ Themen wie Flüchtlingslager oder Schlachthofszenen neben Unterhaltsamem von Bühne, Film und Mode wichtig.
Die Illustratorin Lili Réthi (1894-1971) spezialisierte sich auf die Welt der Fabriken und Großbauten. Naheliegend, dass sie in der Wiener „Arbeiter-Zeitung“ veröffentlichte. In England und den USA wurde ihr Stil rasant, dynamisch, luftig und vibrierend. Sie vermochte es aber genauso wie in ihren Anfängen, der Arbeitswelt Pathos und Würde zu verleihen. So wie man bei ihren Blättern manchmal denkt, das Exilland habe nur auf sie gewartet, ist es bei Amos Vogel (1921-2012) und Wolfgang Paalen (1905-1959). Mit seinem Club „Cinema 16“ mischte Vogel die US-Szene auf und sorgte für experimentelles Flair und Talentförderung. Die Kurzfilme im Museum genießt man richtig. Ähnliches versuchte Paalen als Maler in Mexiko. Er trug den Surrealismus in dieses Kulturkonglomerat und zeigte gleichberechtigt präkolumbianische Kunst. Die Zeitschrift „DYN“ inspirierte obendrein den Abstrakten Expressionismus der US-Amerikaner.
Bis 28. Oktober
während der Festspiele (bis 30.8.) täglich 10-18 Uhr, dann Di.-So. 10-18 Uhr; Mönchsberg 32 ; Eintritt: 8 Euro; Karten mit ermäßigtem Aufzugstarif gibt es an der Talstation (Neumayr-Platz).