Der Bann ist gebrochen

von Redaktion

Mit Selina Ott gewann erstmals eine Trompeterin den ARD-Musikpreis

Von Tobias Hell

Lange hat es gedauert, doch nun ist der Bann auch bei den Trompeten gebrochen. Denn mit ihrem ersten Platz beim ARD-Wettbewerb reihte sich die 20-jährige Österreicherin Selina Ott nach dem Finale am vergangenen Freitag nun als erste Frau unter die Preisträger an diesem Instrument. Und um die ganze Sache endgültig perfekt zu machen, dies auch gleich noch ganz oben auf dem Siegertreppchen.

Mit drei nahtlos aufeinander folgenden Interpretationen von André Jolivets Konzert Nr. 2 hatte man bei den Trompeten die wohl kürzeste Schlussrunde dieses Jahrgangs erlebt. Doch auch, wenn das Werk sich nur über knappe 15 Minuten erstreckt, schienen die technischen Anforderungen  allen  drei Finalisten sichtbar die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Bereits der Franzose Célestin Guérin, der als Erster in den Ring stieg, hatte den Blick durchweg konzentriert auf die Noten geheftet und lieferte eine Lesart, die sich zwar kontinuierlich steigerte, auf  der Zielgeraden aber noch Luft nach oben ließ. Was ihm letzten Endes Silber bescherte.

Rein technisch betrachtet lieferte an diesem Nachmittag tatsächlich Selina Ott die souveränste Leistung. Weich und sauber im Tonansatz und selbst in den rasanten Passagen rhythmisch stets akkurat. Umsichtig unterstützt von den Mitgliedern des BR-Symphonieorchesters, die unter der sensiblen Leitung von Joseph Bastian für Chancengleichheit sorgten und im Dialog zahlreiche Angebote machten, die von den Finalisten sehr individuell aufgegriffen wurden.

Und dass es daneben auch in der Wahrnehmung von Jury und Publikum erneut kleine Unterschiede gab, scheint bei den Endrunden 2018 ja irgendwie schon dazu zu gehören. Weshalb die Juroren in ihrer Begründung gleich prophylaktisch noch einmal daran erinnerten, dass selbstredend alle vier Etappen in ihr Urteil einflossen. Die Zuhörer im Saal hatte am Finaltag nämlich klar der Ungar Mihály Könyves-Tóth auf seiner Seite. Er konnte sich neben dem Publikumspreis für seinen überaus vitalen Jolivet und dem geteilten zweiten Platz aber ebenso über die Auszeichnung für die beste Interpretation des Auftragswerks freuen, und dürfte damit alles andere als enttäuscht nach Hause fahren.

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