Mitreißendes Ereignis

von Redaktion

Das Aoi Trio wurde Sieger beim Musikwettbewerb im Fach Klaviertrio

Von Gabriele Luster

Schon Henzes Kammersonate wurde zum mitreißenden Ereignis, und nach Schuberts Klaviertrio in Es-Dur fragten sich viele, wer soll das noch toppen? Das Aoi Trio aus Japan traf zum Start des Finales Klaviertrio im 67. ARD-Wettbewerb (Samstag im Prinzregententheater) ins Schwarze: Mit Elan, nicht nachlassender Spannkraft und technischer Brillanz stürzten sich Kosuke Akimoto, Klavier, Kyoko Ogawa, Violine, und Yu Ito, Cello, bereits in die klugerweise als Auftakt gewählte Kammersonate von Henze.

Rhythmische Präzision, Balance und individuelle Tonschönheit – etwa im innigen, linearen Gespinst des zweiten Satzes – oder die Expressivität im Finale fesselten das hochgestimmte Publikum. Beim Schubert-Trio steigerten Pianist, Geigerin und Cellist sich in eine von musikantischer Spielfreude befeuerte Interpretation. Das vorzügliche Miteinander, im Kleiteiligen wie in dramatischer Steigerung, das wechselseitige Auskosten Schubert’scher Kantabilität, die subtile Verflechtung der Stimmen und die Intensität des Ausdrucks beglückten. Kein Wunder, dass das Aoi Trio nach diesem fulminanten, Auftritt den ersten Preis errang.

Den zweiten sparte die besetzte Jury aus, vereinte aber auf Platz drei die beiden anderen Finalisten: Das kasachisch-russisch-deutsche Trio Marvin und das koreanische Lux Trio, das den Sonderpreis für die beste Interpretation des Auftragswerkes von Miroslav Srnka und den Publikumspreis erhielt. In den Pausen und hernach diskutierten die Zuhörer intensiv und plädierten für ihre Favoriten. Denn sowohl Lux Trio als auch Trio Marvin hatten im langen Wettbewerbsverlauf ihr Können bewiesen und Fans gewonnen. Warum diese beiden Ensembles mit Schuberts kürzerem B-Dur-Trio starteten und Henze als Ausklang wählten, bleibt ihr Geheimnis. Doch nicht nur der Steigerungseffekt entschied die Wahl. Beim mit seiner wunderbaren Pianistin punktenden Trio Marvin mangelte es an der ausgewogenen Balance, klang die Geige zuweilen spitz, stellte sich die zuvor erreichte Hochspannung nicht ein. Dagegen behauptete sich das Lux Trio mit temperamentvollem Zugriff, bestem Einvernehmen und einer bis an die Grenzen ausgereizten Henze-Sonate. Wieso sprang da nicht Platz zwei heraus?

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