Bratscherwitze kann man mit Ohrenmerk auf das Finale des ARD-Musikwettbewerbs im Fach Viola getrost vergessen; zu ernsthaft betreiben die Musiker ihre Kunst. Irritierend erscheint allenfalls, dass von 41 Teilnehmern gerade einmal zwölf nicht-asiatischer Herkunft sind, weshalb es wiederum nicht überraschend ist, dass zwei Chinesen und ein Japaner den Gewinn unter sich ausmachten. Immerhin, zwei Deutsche hatten es prominent ins Finale geschafft: Joseph Bastian, der das BR-Symphonieorchester charmant beherrscht dirigierte, und Paul Hindemith, dessen reizvolle Komposition „Der Schwanendreher“ gleich zwei der drei Endrundenteilnehmer wählten.
Takehiro Konoe machte den Anfang. Schmächtig in seinem roten Hemd agierte der junge Japaner beim solistischen Einstieg in die frühmoderne Musik kraftvoll und fast rau. Das dunkel besetzte Kammerorchester und der Solist liefern sich in der Komposition eine aberwitzig bis hoch virtuose Groteske, die kompositorisch durch die brillierende Personalunion Hindemiths als Bratscher und Komponist funkelt. Ganz greifen konnte Konoe, der den dritten Preis gewann, das Stück nicht – aber er hat Gespür für die herben Facetten des gar nicht lachhaften Instruments, während sein chinesischer Kontrahent Yucheng Shi das Stück geigerischer anging. Sauber, aber zu glatt spielte der Zweitplatzierte und konnte damit den Funken nicht zum Überspringen bringen, auch weil er zu wenig mit dem Ensemble und dem Dirigenten kommunizierte.
Ganz im Gegensatz zu Diyang Mei, an dessen Gewinn des Publikumspreises nach dem tosenden Schlussapplaus nicht mehr zu zweifeln war. Anders als seine Kollegen entschied er sich für Béla Bártoks „Konzert für Viola und Orchester posth.“ Das erschwerte zwar den Vergleich. Der äußerlich unscheinbare Chinese ist indes ein Teufelsbratscher, der mit einer unglaublichen Intensität und Virtuosität zu Werke geht – wie ein echter Weltmusiker. Dieser erste Preis ist alles andere als ein Scherz!