Die Gazellen sind pure Eleganz, geschmeidig eingearbeitet in ein Leuchten und ein dynamisches Linienfeld, das die Tiere jenseits von Zeit und Raum als Krone einer Schöpfung präsentiert. 1913/ 14 hat sie Franz Marc in Tempera auf Papier gebannt. Über hundert Jahre später erzählen sie immer noch vom Glauben an – oder von der Suche – nach einer heilen Welt.
Mit großformatigen Werken wie diesen hat das Franz Marc Museum Kochel die neue Schau bereichert, die sich vorwiegend auf die Skizzenbücher konzentriert. Die Blätter geben einen verblüffenden Einblick in die Entwicklung Marcs. Eine magische Anziehungskraft strahlen natürlich die größeren Ausarbeitungen aus. Bis Marc seine Utopien und seinen Aufschrei über die Verwundungen der Welt in Bilder fassen konnte, vergingen mühevolle Stunden. Das Ringen um Form spiegeln mindestens 33 erhaltene Skizzenbücher wider.
Rund tausend Werke sind überliefert, allerdings wurden sie schon früh aus den Büchern gelöst. Viele erweisen sich wirklich als eigenständig. Mit 70 Arbeiten aus 19 Büchern und dem Heft mit Notizen zur Farbenlehre ist das Museum gut bestückt. Da im Sommer 2019 ein neuer Sammlungskatalog herausgegeben werden soll, hat man diesen Bereich sowie einige andere Kapitel neu gesichtet und auf den aktuellen Forschungsstand gebracht.
Man sieht in einer geschickten Gegenüberstellung, wie Marc um 1912 experimentiert, Blumen für Stickereien und Pferde für Skulpturen entwirft, wie er in Vignetten sehr konzentriert wird. Gegenüber dann die fabelhaften Gazellen und das fantastische Fabeltier („Pferd“, 1913). Ebenso packend ist, was wiederum ein knappes Jahr später daraus geworden ist: Abstraktion, kristallines Lichtspiel, Schwingen und Klingen. Dahinter steht unsichtbar, aber spürbar das große Fragezeichen: Was wäre aus Franz Marc geworden, wäre er nicht im März 1916 im Krieg gefallen?
Seine Entwicklung bis dahin war atemberaubend: Natürlich gelten die Skizzenblätter „Junges Pferd in Berglandschaft“ (1911) als Vorläufer seines berühmten Gemäldes „Blaues Pferd“. Wir lernen in den Blättern aber auch einen Marc kennen, der nicht auf die bekannten Motive im Umfeld des Blauen Reiters reduziert werden darf. Einen völlig anderen Stil brachte er 1903 von Georges-Pierre Seurat aus Paris mit. Anrührende Märchenfiguren und zarte Kinderbilder zeigen später eine weitere weiche Seite des Künstlers. Von den naturnahen Pferdebildern 1906 bis hin zu den blaugrünen Tieren ist es ein großer Schritt. Erst mit diesen Blättern kann man nachvollziehen, wie schwer es gewesen sein muss, sich von Traditionen zu lösen und zu Betrachtungen zu kommen, die uns heute selbstverständlich, andererseits aber immer noch modern erscheinen.
Bis 17. Februar,
Di. bis So. 10 bis 18 Uhr, ab November bis 17 Uhr,
Franz-Marc-Park 8-10, Telefon 08851/ 248 80.