Ohne Ballast

von Redaktion

Die Vorbilder von Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Paulus“ liegen klar auf der Hand. Er war es, der mit seiner Aufführung der „Matthäus- Passion“ eine erste Bach-Renaissance eingeleitet und den Wegbereiter stets hoch in Ehren gehalten hatte. Und so war es durchaus sinnvoll, im Herkulessaal für dieses Werk mit Masaaki Suzuki einen Bach-Spezialisten ans Pult zu bitten, der Mendelssohns Partitur ohne romantisierenden Ballast begegnete.

Suzuki vertraute ganz auf die Stärken von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und bot eine klar strukturierte und in sich ruhende Interpretation. Trotz großer Besetzung schienen die Extreme nur selten ausgereizt und große Attacken für umsichtig gesetzte Höhepunkte aufgespart – was die Spannungskurve nach einem starken Beginn vor allem im zweiten Teil ein wenig absinken ließ.

Selbst hier durften die Zuhörer jedoch im Wohlklang des BR-Chores baden, der sich zum Saisonauftakt frisch und ausgeruht präsentierte und deutlich homogener agierte als die vier Solisten, die nicht wirklich eine Einheit bilden wollten.

Der sonst auf Wagner abonnierte Albert Dohmen bemühte sich zwar redlich, seinen voluminösen Bassbariton auf Oratorienformat zurückzufahren, konnte aber in direkter Nachbarschaft von Carolyn Sampsons leichtgewichtigem Sopran seine eigentliche Domäne nicht immer verbergen. Stefanie Irányi ließ einen warm timbrierten Mezzo vernehmen, hatte in ihrer doch eher übersichtlichen Partie aber nur wenig Chancen, Akzente zu setzen. Deutlich mehr gefordert war da schon Tenor Mark Padmore, der allerdings nicht seinen besten Abend erwischt hatte.

Zwar überbot er seine Mitstreiter klar an Textdeutlichkeit, tendierte jedoch mit etwas unsteter Tongebung zum Überartikulieren, was seinen Vortrag arg manieriert erscheinen ließ – wobei es nicht half, dass er sich im Duett mit Dohmen zum letztlich unnötigen Kräftemessen herausgefordert fühlte, für das sein Kollege eindeutig die größeren Lungenkapazitäten mitbrachte. tobias hell

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