Das Auge liest mit

von Redaktion

Die 70. Frankfurter Buchmesse besticht durch ihre bunte Vielfalt

VON MELANIE BRANDL

Zum 70. Mal findet die Frankfurter Buchmesse heuer statt – und neben groß und voll ist sie vor allem eines: bunt. 7300 Aussteller aus 102 Ländern präsentieren Literatur aus ihrer Heimat, vom Roman über das Sach- bis zum Bilderbuch, vom Fachbuch über Modelleisenbahnen bis hin zum Manga-Comic. Da beginnt die Vielfarbigkeit schon bei den Covern, die in diesem Jahr häufig besonders bunt und aufwendig gestaltet sind. „Das Auge liest (oder kauft?) mit“ scheint ein wichtiges Kriterium vieler Verlage zu sein, und so wird auf ansprechende Grafik und gestalterische Vielfalt großer Wert gelegt.

Dazwischen bieten eine Menge Stände Dinge an, die weit über den Begriff des klassischen Buchs hinausgehen: Von Lesebrillen über -lampen und -sessel, Spiele, Lernsoftware, Buchhüllen, Postkarten, Kalender bis hin zu Klangschalen oder Globen ist der Fantasie keine Grenze gesetzt. Bunt im Sinne von vielfältig ist aber auch das Programm der diesjährigen Buchmesse. Während an einem Stand gerade die Biografie Helmut Schmidts diskutiert wird, erzählen Journalisten ein paar Meter weiter von ihren Erfahrungen als Berichterstatter beim NSU-Prozess. Und als der Autor Andreas Eschbach auf einem Podium erklärt, warum er in seinem Roman „NSA“ das Thema „Datenmissbrauch“ in den Fokus stellt, lässt sein Kollege Robert Seethaler außerhalb der Messehallen in seiner Lesung im Lesepavillon zwischen Foodtrucks und dicken Sitzkissen die Toten in den Gräbern sprechen.

Ein Höhepunkt und durch seine in Dämmerlicht getauchte Location ein krasser Kontrast zur knallbunten Messe ist der Pavillon für den Ehrengast Georgien. Inspiriert von den 33 geschwungenen Buchstaben des georgischen Alphabets laden 33 in Holzfarben und Weiß gehaltene Ornamente dazu ein, diese Kultur näher kennenzulernen. Dabei scheint die klassische Literatur fast in den Hintergrund zu treten: Klänge, Gemälde, Texttafeln und Bilder vermitteln einen ersten, aber intensiven Eindruck dieses faszinierenden Landes und seiner Menschen.

Zurück im Messetrubel laden viele Aktionen den Besucher ein, nicht nur passiver Zuhörer, sondern auch aktiver Gestalter zu werden: Der Buchdruck à la Gutenberg inspiriert, die Kunst des Druckens selbst auszuprobieren, in der „Babylon-Berlin-Box“ darf jeder in den Kostümen des aktuellen TV-Serien-Erfolgs Videoclips drehen und beim „Autorensofa“ kann man dem gerade anwesenden Autor gleich selbst ein paar Fragen stellen. Dafür stehen nicht nur sogenannte Selfpublisher zur Verfügung, die ihre Werke ohne Verlag eigenständig veröffentlichen, sondern auch Autoren, die mit Verlagen zusammenarbeiten. Wichtig im Buchgeschäft sei das Miteinander statt eines Gegeneinanders, so das Motto des „Autorensofas“: „Wir schreiben und lesen schließlich alle mit Herzblut Bücher!“, sagt Jo Berger, eine der Initiatorinnen.

Ein Grundsatz, der bei aller Unterschiedlichkeit und Vielfältigkeit wohl sämtliche Besucher und Aussteller der Frankfurter Buchmesse verbindet und die Veranstaltung zum 70. Mal zu dem macht, was sie ist: die größte Buchmesse der Welt – und immer wieder ein außergewöhnliches Erlebnis.

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