Hurra, hurra!

von Redaktion

Heute erscheint Bosses neues Studioalbum

VON KATJA KRAFT

Es gab da mal dieses „StudiVz“. Gibt’s noch immer, nutzt nur keiner mehr. Längst von Instagram, Snapchat und Co. verdrängt. Vor ein paar Jahren war das anders. Jeder, der in den Achtzigern geboren wurde, erinnert sich. An die Gruppen, in denen man in diesem Sozialen Netzwerk Mitglied werden konnte. Eigentlich war überhaupt das das Witzigste daran: Seinen Online-Steckbrief mit vielen damals ungemein lustig anmutenden Gruppenzugehörigkeiten zu dekorieren. „Wir wollen das original Kinderschokolade-Kind zurück “, „Wir lästern nicht, wir stellen nur fest!“. So was in der Art. Eine der beliebtesten hieß „Mein Leben sollte einen Soundtrack haben“. Wenn die Leben aller Angehörigen der Generation Y einen Soundtrack hätten, Bosse wäre darauf Pflicht.

Der 38-Jährige gehört selbst zu besagter Generation, die man „why“ ausspricht. Zu Deutsch: „warum“. Weil, wer zwischen den 1980er- bis frühen 2000er-Jahren geboren wurde – so will es die Sozialforschung –, gern alles infrage stellt. Und mit sich selbst hadert. Hin- und herwankend zwischen Umweltschutz und dem Wunsch nach dem neusten Iphone; und nach Non-Konformismus, der nicht mehr funktioniert, wenn plötzlich jeder Hipster ist; zwischen Weltoffenheit und wiederentdeckter Heimatverbundenheit.

Axel „Aki“ Bosse erzählt genau davon auf seinem neuen Album. Davon, wie es ist, „cool zu bleiben bei dem ganzen Overkill“. Von Kraftplätzen, wenn einem die Dauerberieselung auf allen Kanälen, das Ausbalancieren von Karriere und privatem Glück zu viel wird. Bei jedem Ton sieht man die Elbe leuchten, duften die Würstchen, die auf dem Grill im Sand braten. Eine Wohlfühl-Platte, ein Hurra mitten ins Gesicht. Laut und leise, lustig und ernsthaft, weniger opulente Bühnenbesetzung als auf den CDs zuvor, mehr Leichtigkeit. Und dann hat der Mann mit der Cappy und dem sympathischen Kindskopf-Gesicht noch eine Antwort an all die Grübler, gleich im ersten, großartigen Song: „Was du träumst, das musst du machen. All die besten, super Sachen. Alle machen, alle machen!“ Damit nicht nur der Soundtrack, sondern auch der Film des Lebens richtig schön wird.

Bosse:

„Alles ist jetzt“ (Universal).

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