Weilheilm leuchtet wieder

von Redaktion

Das Lichtkunstfestival will am 19. und 20. Oktober „tolle, neue Bilderwelten“ erschaffen

VON MAGNUS REITINGER

Die ganze Altstadt eine Freiluftgalerie: Tausende Besucher waren vor zwei Jahren hellauf begeistert, als „Lichtkunst Weilheim – das Festival“ Premiere feierte. Lichtkünstler Philipp Geist, der in Weilheim aufgewachsen ist, in Berlin lebt und weltweit für seine spektakulären Installationen gefeiert wird, hatte seiner alten Heimat ein Festival von internationalem Format beschert, das Städtchen in jeder Hinsicht zum Leuchten gebracht.

Am kommenden Wochenende gibt es die zweite Ausgabe, und Philipp Geist (42), der künstlerische Leiter, weiß: „Die Messlatte ist sehr hoch.“ Gemeinsam mit renommierten Kollegen wie dem Ungarn László Bordos und Björn Dahlem, Professor an der Bauhaus-Universität Weimar, will Geist die Erwartungen erfüllen und in Weilheim „tolle, neue Bilderwelten schaffen“. Das Programm für Freitag- und Samstagabend (jeweils von 19 bis 23 Uhr) ist umfangreicher als bei der Premiere. Es verspricht Spektakel und setzt doch nicht auf Showeffekte, wie die ehrenamtlichen Veranstalter vom Verein „Lichtkunst Weilheim“ betonen, sondern versteht sich als Kunstaktion.

Die Künstler entwickeln ihre Projekte zum Teil extra für die Weilheimer Schauplätze. Geist selbst wird wieder den Marienplatz, das Herz der Altstadt, in eine begehbare Lichtinstallation verwandeln. Doch auch verstecktere Orte rückt das Festival ins Licht: Bordos nimmt mit seinem Videomapping „Flow“ die Lüftlmalereien des ehrwürdigen Gattingerhauses an der Pöltnerstraße auf, um die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt aufzuheben. Videokünstlerin Vanessa Hafenbrädl projiziert Fantasiewesen auf den Löwenturm, einen Teil der historischen Stadtmauer am Mittleren Graben, und lässt dazu hypnotische Musik von Markus und Micha Acher erklingen, die mit The Notwist Weilheim zur Marke in Sachen Avantgarde-Pop machten. Lichtkunst und poetische Performance verbindet das Berliner Theater Anu, wenn es an verschiedenen Ecken die „Nacht der Träume“ ausruft. Und Boris Petrovsky stellt mit seinen Objekten „Die drei Kammern“ Gewohntes radikal infrage, zu sehen unter anderem in der alten Pfarrkirche St. Pölten.

Treffpunkt in der Altstadt ist der von Julian Mayer bestrahlte Festivalstadel: Dort gibt es einen Shop und eine Bar, Vorträge, Gespräche – und eine Lichtskulptur von Dahlem. Auch das Stadtmuseum zeigt über sämtliche Etagen Lichtkunst, darunter einen Leuchtkasten von Otto Piene (1928-2014), dem Pionier des Genres. Philipp Geist war es zudem wichtig, Schüler einzubeziehen: So präsentiert ein Seminar des Gymnasiums Weilheim in einem ehemaligen Küchenstudio „Experimentelle Fotografie zwischen Physik und Kunst“.

Ein Infostand und gastronomische Angebote empfangen am Kirchplatz; dort ist auch die Programmbroschüre erhältlich. Das Festival findet bei freiem Eintritt und jedem Wetter statt. Aufgrund des erwarteten Verkehrsaufkommens empfehlen die Veranstalter, „die hervorragenden Zugverbindungen nach Weilheim zu nutzen“.

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