Trauerarbeit eines Unbekannten
Dirigent Jakub Hrůša debütierte beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Josef Suks „Asrael“-Symphonie wurde zum Ereignis im Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks im gut besuchten Gasteig. Das Publikum feierte das Orchester und den erstmals am BR-Pult gastierenden Jakub Hrůša mit lang anhaltendem Applaus und Bravi. Welch ein Glück, dass der Tscheche es sich zur Aufgabe gemacht hat, seinen Landsmann Suk da bekannt zu machen, wo man ihm kaum begegnet. Das fünfsätzige Werk fesselt vom schlichten Moll-Motiv der tiefen Streicher zu Beginn bis zum friedlichen Verklingen im hoffnungsschimmernden Dur. Suk schrieb sich in dieser nach dem islamisch-persischen Todesengel benannten Symphonie die Trauer über den Verlust seines Lehrers und Schwiegervaters Dvořák und dessen Tochter Otilie, Suks Frau, von der Seele. Zugleich schuf er ein Werk, das den Weg aus der Spätromantik in die Moderne weist. Ob im Aufbäumen und den bis zum Exzess ausgekosteten Riesensteigerungen oder in leicht dahin fließenden, fast magischen Momenten: Die Symphoniker bestachen mit Brillanz und Klangsinnlichkeit.
Im zweiten, Otilie gewidmeten Teil vertrieb Konzertmeister Anton Barakhovsky mit betörendem Geigensolo kurz die Düsternis. Demgegenüber geriet Antonin Dvořáks Violinkonzert ins Hintertreffen, obwohl Augustin Hadelich Virtuosität mit musikantischem Ausdruck verband. Er hielt im Adagio herrliche Zwiesprache mit dem Horn und ließ im Furiant die Funken sprühen – großer Beifall. GABRIELE LUSTER