Der „Musik-Tausendsassa“ ist verstummt

von Redaktion

Der Berliner Liedermacher und Komiker Ingo Insterburg starb im Alter von 84 Jahren

VON MARION VAN DER KRAATS

Für Klaus Kinski war er „Guitar-Ingo“, bis heute parodieren Fans seinen Endlosreim „Ich liebte ein Mädchen aus…“: Liedermacher Ingo Insterburg brachte als Kopf von Insterburg & Co. Stand-up-Comedy auf die Bühne, als es den Begriff in Deutschland noch gar nicht gab. Nun ist der Berliner Sänger im Alter von 84 Jahren nach einer kurzen, schweren Krebserkrankung gestorben.

Der als Ingo Wetzker 1934 im russischen Chernyakhovsk (das frühere Insterburg in Ostpreußen) geborene Liedermacher hatte Ende der Sechzigerjahre mit dem Komiker Karl Dall, dem Schauspieler Jürgen Barz und dem Autor Peter Ehlebracht Insterburg & Co gegründet. Die Band brachte einen neuen Typ von Unterhaltung in die bundesdeutsche Musikbranche: Blödel-Melodien und endgereimte Parodien. Damit war sie Vorbild für Künstler wie Otto Waalkes und Mike Krüger. Neben „Ich liebte ein Mädchen“ (1974) wurde die Gruppe mit „Diese Scheibe ist ein Hit“ (1975) bekannt.

Insterburg konnte mit dem Begriff des „Blödelbarden“ nie viel anfangen – er sah sich als „Musikkomödiant“ und nannte die Alben der Band „Blödeleien mit Musik“. Mehr als 55 Jahre stand der Künstler, der auch begeisterter Marathonläufer war und an mehr als 20 Wettkämpfen teilnahm, auf der Bühne. Nach der Flucht aus Ostpreußen hatte es seine Familie zunächst ins sächsische Zwickau verschlagen, aufgewachsen ist Insterburg dann in Bernburg in Sachsen-Anhalt. Dort legte er auch sein Abitur ab, bevor es dann 1953 auf dem Fahrrad nach West-Berlin ging. Da sein DDR-Abitur im Westen nicht anerkannt wurde, legte er die Prüfung erneut ab. In seiner Wohngemeinschaft an der Uhlandstraße im Berliner Westen lebte Insterburg mit dem Schauspieler Klaus Kinski (1926-1991). Dessen Brechtballaden begleitete er als Gitarrist auf Tournee.

Ein „Musik-Tausendsassa“ sei Insterburg gewesen, sagte sein langjähriger Manager Frank Nietsch. Unter anderen habe er Gitarre, Geige, Querflöte und Saxofon beherrscht – und zudem skurrile Instrumente selbst gebaut: Eine Flöte aus einer Bürste, ein Saxofon aus einem Abwasser-Schlauch und ein Banjo aus einem Eimer. „Alles, was man zum Klingen bringen kann, das mach’ ich“, lautete sein Credo.

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