Das sind nicht die Echten, das weiß natürlich jeder im ausverkauften Deutschen Theater. Aber das ist egal. Selig singen, klatschen und tanzen die Münchner zur Musik, und man fühlt regelrecht körperlich, wie tief das Bedürfnis nach ein bisschen guter Laune ist. Und das Verlangen, ein wenig in vermeintlich besseren Zeiten zu schwelgen. Beides bedient das Musical „Let it be“ perfekt, in der die unsterblichen Lieder der Beatles gefeiert werden. Auch als Nachgeborener ahnt man, weshalb die vier Pilzköpfe aus Liverpool damals die ganze Welt elektrisiert haben – es ist die unfassbar positive Energie, die einen da anspringt, gleichermaßen aufwühlt und beruhigt. Das war schon in den Sechzigern das Erfolgsgeheimnis. Die Beatles explodierten mit ihrer Lebensfreude in trüben Zeiten. Die Menschheit war mit knapper Not einem Atomkrieg entronnen, John F. Kennedy, Hoffnungsträger der westlichen Welt, war ermordet worden, die USA wurden von Rassenunruhen erschüttert, und das stolze Großbritannien versank, von Wirtschaftskrisen geschüttelt, in kollektiver Depression. Die Zeiten waren also mindestens so trostlos wie heute. Mittendrin vier unbekümmerte und absurd talentierte Burschen, die mit ihrem frischen Klang Hoffnung verbreiteten. Das wirkt bis heute nach, deswegen zieht der Name Beatles nach wie vor die Massen an, deswegen gibt es seit Jahrzehnten Tributeshows.
Bei „Let it be“ freilich wird im Unterschied zu anderen Musicals auf eine Rahmenhandlung verzichtet. Die Beatles treten auf, Punkt. Umbaupausen werden mit Archivmaterial überbrückt, die auf Monitoren laufen – das reicht als Konzept völlig. Die Männer, die so tun, als wären sie John, Paul, George und Ringo, versuchen gar nicht erst, sklavisch jeden Ton exakt zu imitieren. Auch das ist eine gute Idee. Die Musik muss atmen, lebendig sein, schließlich wird live gespielt. Natürlich, das ist Ehrensache, kommen immer die Original-Instrumente der jeweiligen Phasen vor, und die vier Musiker bringen die Eigenheiten der jeweiligen Bühnenpersönlichkeit glaubhaft rüber. Aber das wird nie zum Beatles-Kasperletheater. Immer steht die Musik im Vordergrund, die den Saal zuverlässig zum Brodeln bringt.
Nach der Pause wird es dank einer aparten Idee sogar regelrecht euphorisch: Da treten die Herren in einem fiktiven Wiedervereinigungskonzert ein letztes Mal gemeinsam auf. Man schreibt das Jahr 1980, und es werden auch Solohits der Bandmitglieder gespielt – ein cleverer Schachzug, um Perlen wie „Band on the Run“ oder „Imagine“ unterzubringen.
Ein wirklich schöner Abend, der einen etwas wehmütig in die kalte, unfreundliche Realität entlässt. „Now I long for Yesterday“ hatten alle zuvor inbrünstig mitgesungen – und es wohl auch genauso gemeint.
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bis 4. November;
Telefon 089/ 55 23 44 44.