Voller Lebenslust

von Redaktion

In der Komödie im Bayerischen Hof begeistert „Arthur & Claire“

VON MALVE GRADINGER

Die bittere Realität des Lebens mit Humor genommen und ohne Kunstgehabe in Echt-Sprache direkt an uns heran gespielt – das ist Boulevardtheater, wie man es sich wünscht. Stefan Vögels Hier-und-Heute-Stück „Arthur & Claire“, mit weiblicher Einfühlung wirklichkeitsnah inszeniert von Ute Willing (endlich mal eine Frau!) und haargenau auf dieser gekonnten Reality-TV-Linie gespielt von Eva-Maria Grein von Friedl und Hardy Krüger jr. – das garantiert der Münchner Komödie im Bayerischen Hof durchgehend das „Ausverkauft“-Schildchen.

Arthur, an unheilbarem Lungenkrebs erkrankt, hat sich in einer Amsterdamer Klinik für einen selbstbestimmten Tod angemeldet. Auch Claire ist Suizidkandidatin: Mann und Kind kamen um bei einem von ihr verschuldeten Autounfall. Solch ein Thema müsste einen unweigerlich in die Depression treiben, wäre Vögel nicht ein Meister der federleichten Komödie. Die beiden, eingecheckt im gleichen Hotel (Ausstattung von Hausherr Thomas Pekny), kriegen sich in die Wolle wegen Claires volle Pulle aufgedrehten Songs „Ende der Nacht“ (!) – eindeutig akustische Betäubung ihrer Angst, das Messer an die Pulsader zu setzen.

Man ahnt, dass die beiden letztlich zusammenkommen. Aber das „Wie“ ist hier das Wesentliche. Gegenseitig wollen sie sich vom Selbstmord abbringen, erpressen einander, Gründe preiszugeben, werfen sich Feigheit und Weltflucht vor. Dieser Zweikampf, in dem Arthur schließlich von seiner geschiedenen Ehe und seinem fehlenden Verständnis für seinen Sohn David (Ricardo Angelini) spricht, ist von Vögel ohne dramaturgische Verrenkung völlig logisch gebaut. Und, was so schön ist: Wenn die beiden sich fetzen, und zwar mindestens im rasenden E-Bike-Tempo, sind es nicht wirklich die üblichen absichts- und kunstvollen Boulevard-Pointen, die uns immer wieder zu heiterem Lachen bringen, sondern herrlich sprachwitzig gefasste Schlagabtausch-Argumente.

Ja, dieser Abend über das Sterbenmüssen oder -wollen ist wunderbar menschlich, vor allem in der Lust und Freude am Leben, die diese beiden Anti-Helden letztlich doch haben: Eva-Maria Grein von Friedl als freche Garçonne Claire auf schlanken Beinen in Stiefeletten, immer ihrem Bauchgefühl folgend, und Krüger jr., erstmal noch halsstarrig beherrscht von seinem männlichen Vorsatz. Wie geht es aus? Ach, Sie werden sich das Stück ja eh ansehen.

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bis 16. Dezember; Telefon 089/ 29 16 16 33.

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