Denkt man an das skurrile, zweckentfremdete Münchner Denkmal vor dem Bayerischen Hof, das neun Jahre nach Michael Jacksons Tod noch immer von den Fans gepflegt wird, sollte es eigentlich niemanden wundern, dass zum Tourneestart von „Beat it“ im Circus Krone volles Haus herrschte. Und eines lässt sich festhalten, was man hier bekommt, ist eine perfekt choreografierte und ungewohnt aufwendig verpackte Tribute-Show. Sie steht der ebenfalls nach wie vor durch die Lande tingelnden Konkurrenz „Thriller – Live“ in nichts nach und unterscheidet sich allenfalls in der Anordnung der Songs.
Die Schlüsselreize lösen auch hier die gewünschten Reflexe aus. Das Überziehen des Handschuhs, ein Griff in den Schritt – und der Saal tobt, als wäre die Legende selbst auferstanden. Und als Hauptdarsteller Dantanio Goodman zum ersten Moonwalk ansetzt, gibt es endgültig kein Halten mehr. Denn er hat die Moves des King of Pop sogar noch eine Spur perfekter drauf als Koffi Missah, der zuvor als junger „MJ“ in die Ära der Jackson Five entführt.
Schlagzeilen gemacht, hatte „Beat it“ im Vorfeld vor allem durch eine Klage der Jackson-Erben, die zwar für die Songs kassieren, aber keine Rechte für die Verwendung der Lebensgeschichte vergeben hatten. Wobei die Ankündigung als „Musical“ eh mit Vorsicht zu genießen ist. Sind die wenigen halbherzigen Spielszenen in ihrer Plattheit doch oft nur schwer zu unterbieten. Da leidet man regelrecht mit Nyassa Alberta, die als Diana Ross kaum je ihre kräftige Stimme einsetzen darf, und zum Aufsagen leerer Phrasen à la „Du hast der Welt noch so viel zu geben“ verdonnert ist. Kritische Einblicke in Jackos Leben darf man nicht erwarten. Doch was soll’s? Die Lieder zünden, und die sind es schließlich, zu denen man feiern will. TOBIAS HELL