„Ganz besondere Würze“

von Redaktion

VORSCHAU  Die Musical-Macher über ihren „Medicus“ im Deutschen Theater

VON TOBIAS HELL

Glaubt man einer Kritikerumfrage, zählt „Der Medicus“ zu den zehn beliebtesten Büchern aller Zeiten. Und egal, wie viel Bedeutung man solchen Wertungen nun zugesteht, es dürfte tatsächlich nur wenige Menschen geben, die Noah Gordons weltweiten Bestseller nicht gelesen oder zumindest durch die Filmversion kennengelernt haben. Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die fesselnde Geschichte auch ihren Weg auf die Musicalbühne finden würde.

Uraufführung des farbenprächtigen „Historicals“, das ab dem 8. November im Deutschen Theater gastiert, war 2016 in Fulda, wo man im Rahmen des jährlich stattfindenden Musicalsommers seither gut 200 Vorstellungen vor ausverkauftem Haus erlebte. Mit großen historischen Stoffen wie diesem haben sich Produzent Peter Scholz und Komponist Dennis Martin in ihrer Heimatstadt inzwischen eine treue Fangemeinde herangezogen. Und das, obwohl sie mit ihren Shows eigentlich gegen den aktuellen Trend der Gute-Laune-Jukebox-Shows schwimmen, die vor allem auf das Recycling bekannter Hits vertrauen. „Das fanden wir beide schon immer ziemlich langweilig“, wie Scholz im Gespräch selbstbewusst zugibt. „Natürlich wäre das vielleicht manchmal die einfachere Strategie gewesen. Aber wir machen dann doch lieber unsere eigenen Sachen und freuen uns, dass das Publikum diesen Weg mit uns geht. Das Musical ist ja ein unglaublich vielseitiges Genre, in dem man eigentlich alles tun kann. Sowohl in musikalischer Hinsicht als auch, was die Wahl der Stoffe angeht.“

Seit ihrem ersten gemeinsamen Projekt, dem „Bonifatius“ von 2004, brachte das wagemutige Duo unter anderem noch eine Adaption der „Päpstin“ oder die Lebensgeschichten der heiligen Elisabeth und Friedrichs des Großen auf die Bühne. In dieser Gesellschaft war „Der Medicus“ für beide eine durchaus logische Wahl. Bietet die Story des jungen Engländers Rob Cole, der im frühen Mittelalter die beschwerliche Reise in den Orient antritt, um dort beim berühmtesten Arzt seiner Zeit zu lernen, doch jede Menge an spannenden Charakteren und reichlich Gelegenheit, mit exotischem Lokalkolorit zu punkten.

Nach einem kleinen Abstecher nach Boston hatte sich dann  auch der damals bereits über 80-jährige Autor Noah Gordon vom Projekt überzeugen lassen. „Wir waren ja nicht die Ersten, die sich um die Rechte bemüht haben. Und  es  war ein langes und sehr intensives Gespräch, bei dem wir genau erklären musste, was wir mit der Geschichte vorhaben und wie wir sie auf der Bühne umsetzen wollten. Nicht nur Noah Gordon, sondern seiner ganzen Familie.“

Anders als die Leinwandadaption von Philip Stölzl, die 2013 in die Kinos kam, lehnt sich Dennis Martins Version wieder deutlich enger an den Roman an und holt die zwischenmenschlichen Konflikte zurück in den Fokus. Ein Umstand, den auch Reinhard Brussmann zu schätzen weiß,  der hier in die Rolle von Robs Mentor Ibn Sina schlüpft. Er war bereits beim „Bonifatius“ mit dabei und ist bis heute eine feste Größe beim Musicalsommer. „Als ich damals angefragt worden bin, hat mich vor allem die Musik überzeugt. Und ich ziehe den Hut davor, wie weit Peter und Dennis in diesen 15 Jahren gekommen sind. Auch durch ihren Mut, sich einfach in Dinge hineinzuwerfen.“ Auf die Münchner Serie freut sich der opernerfahrene Sänger besonders, weil man hier im Gegensatz zu Fulda mit großem Live-Orchester im Graben arbeitet. „Ich glaube, gerade bei einem sinfonisch angelegten Stück wie diesem bringt das noch mal eine ganz besondere Würze.“

Neu dabei ist in München neben dem Orchester aber auch Publikumsliebling Patrick Stanke, der im Sommer bereits einmal als Gast auf der Bühne stand und die Hauptrolle im Deutschen Theater nun in Vollzeit übernimmt. „Es war einfach unfassbar, wie ich als Neuer in dieser Familie aufgenommen und bei den Proben auch aufgefangen wurde. Ich freue mich wahnsinnig, jetzt mit so einer großen und dankbaren Partie wie dem Rob nach München zu kommen, weil ich ja hier studiert habe. Die Stadt ist immer noch so etwas wie eine kleine Heimat für mich. Und Heimat ist ein extrem wichtiges Thema im Stück. Das hätte also gar nicht besser zusammenkommen können.“

Vorstellungen

vom 8. bis 25. November; Karten unter Telefon- nummer 089/ 55 234 444.

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