Bayerische Vor- und Frühgeschichte – das klingt nicht für jeden nach einem historischen Thriller. Dass jedoch auch Funde aus der Steinzeit und anderen Epochen eine spannende Geschichte erzählen können, zeigt nun eine Ausstellung im Charlottengang der Residenz. Die Archäologische Staatssammlung München befasst sich darin mit der Roseninsel im Starnberger See und den dort in den vergangenen 170 Jahren entdeckten Objekten.
Die Roseninsel ist 2,56 Hektar klein, hat einen Bewohner, den Kastellan der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, ist zur Winterszeit für Besucher unzugänglich und wurde 1850 von König Maximilian II. erworben. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten archäologischen Fundberichte. Schon Max selbst präsentierte Gästen im für ihn errichteten und bis heute erhaltenen Inselcasino 48 Preziosen. Angeblich wurden sie beim Bau des Casinos und des benachbarten Gärtnerhauses entdeckt. Jetzt liegen sie auf kleinen Stelen unter Glas in der Residenz und erzählen eine durchaus kuriose Geschichte.
Eines dieser Stücke – und letztlich auch deren Star – ist ein Silexdolch aus der Jungsteinzeit. „Genau so ein Messer hatte auch der Ötzi bei sich“, sagt Harald Schulze von der Staatssammlung. Dieser Dolch lagerte gemeinsam mit 47 weiteren ausgegrabenen Objekten in der königlichen Vitrine des Casinos. Monarch Max zeigte ihn gerne her, allerdings nur den illustren Gästen, die er auf die Insel einlud. Der Dichter Hans Christian Andersen zum Beispiel durfte den beschlagenen Feuerstein im Juni 1852 bewundern.
Damals sah er wohl auch die anderen Grabungsfunde, von denen allerdings nur ein Teil echt war. Der Rest, so vermutet Schulze heute, wurde dem König von seinem Roseninsel-Architekten Franz Jakob Kreuter untergejubelt. „Kreuter wollte Max vom Bau des Casinos überzeugen.“ Dieses vereint volkstümliche süddeutsche Architektur mit Elementen einer pompejanischen Villa. Um ein Bindeglied zwischen antikem Mittelmeerraum und Bayern herzustellen, fuhr Kreuter offenbar schwere Geschütze auf. Schulze geht davon aus, dass der Baumeister alten Tand auf italienischen Antiquitätenmärkten einkaufte, diesen auf die Insel brachte und dann bei Grabungen ganz zufällig entdeckte. Seine falschen Funde sind nun auch in der Residenz zu sehen. Echt antik sind die griechischen Keramiken und römischen Objekte zwar schon. Experten schätzen sie auf ein Alter zwischen 400 vor und 200 n. Chr. Aber eben nicht echt von der Roseninsel. „Hätte Kreuter all diese Dinge wirklich dort entdeckt“, sagt Harald Schulze, „dann wäre die Roseninsel das Zentrum antiker Kultur nördlich der Alpen gewesen. Und das kann nicht sein.“
Eine lange Geschichte hat das Mini-Eiland trotzdem. Davon zeugen etwa zahlreiche Schmucknadeln aus der Bronzezeit, von denen schon Max ein paar besaß. Viele von ihnen wurden jedoch erst später entdeckt. Zu Regierungszeiten von Maximilians Sohn Ludwig II. und in den Jahrzehnten danach fanden ganz nah am Ufer Grabungen statt. In diesem Bereich gab es einst eine Pfahlbausiedlung, entstanden vor über 5000 Jahren und heute Teil des Unesco-Weltkulturerbes. In diesem Areal sicherten Forscher unter anderem ein Beil mit einem Griff aus Hirschhorn, Schmucknadeln und Werkzeuge aus Knochen. Zu den spektakulärsten Objekten gehört ein 14 Meter langer, knapp 3000 Jahre alter Einbaum. Er wurde Ende des 20. Jahrhunderts entdeckt. Ein Film des BR von 1990 dokumentiert diesen Fund – und ist nun auch Teil der kleinen Schau. Nur der Einbaum ist nicht dabei. Er sorgte noch bis gestern auf der Landesausstellung im Kloster Ettal für Staunen. In die Residenz hat es nur sein kleinerer und deutlich frischerer Bruder geschafft: Der Jungspund stammt aus dem 18./ 19. Jahrhundert.
Bis 28. April 2019,
täglich 10-17 Uhr, ab 24.3. 9-18 Uhr; Karte fürs Residenzmuseum erforderlich.