Eigentlich ist die erfolgreichste deutsche Krimi-Autorin Charlotte Link (55) die Ruhe selbst bei ihrer Buchvorstellung im Rahmen des Krimifestivals (Carl-Orff-Saal im Münchner Gasteig). Doch bei einem Thema wird die Frankfurterin dann doch emotionaler: bei Fernseh-Verfilmungen ihrer Bestseller. „Ich bin mit ihnen nicht zufrieden“, sagt sie einem gut aufgelegten Moderator Günter Keil. „Die Sender sind furchtbar mutlos! Sie suchen die Bücher nach Szenen ab, die bei einigen Zuschauern Anstoß erregen könnten – in der Angst, dass diese wegzappen. Ich rede mir den Mund seit Jahren fusselig, damit sich das ändert. Aber das letzte Wort hat der Sender.“
Doch Link, die aus ihrem neuen Buch liest, bringt den Saal auch immer wieder zum Schmunzeln. Etwa, wenn sie über ihre tägliche Arbeit erzählt. „Glauben Sie bloß nicht, dass ich nachts vor ein paar Flaschen Rotwein sitze. Ich trinke Ingwerwasser – und das tagsüber.“ Überhaupt sei das Schreiben ein „ganz normaler Beruf“. Mal sei sie inspirierter, mal will sie die Muse nicht wirklich küssen. „Wenn mir dann eine Freundin sagt, das nächste Buch werde ohnehin wieder ein Bestseller, dann ist das gar nicht, was ich brauche.“ Ihre Hunde sind die einzigen, die beim Schaffensprozess immer mit von der Partie sind. „Wenn sie schnarchen, hoffe ich, dass das kein Kommentar zu meinen Texten ist.“ Gelächter im Publikum. Und wenn sie mit ihren Vierbeinern spazieren geht, dann spricht sie gerne Dialoge und Szenen vor sich hin.
Druck? Kennt sie, klar. „Der entsteht automatisch mit der steigenden Erwartungshaltung der Leser. Aber ich bemühe mich, beim Schreiben auszublenden, was der Leser von mir erwarten könnte – aus Briefen und Feedback, das ich erhalte. Das würde mich bei der Arbeit nur stören. Ich versuche, ganz bei mir zu sein.“ Dass sie nicht auf den Regionalkrimi-Zug aufspringt, liegt in der Natur der Sache. „Ich war ja schon erfolgreich, bevor dieses Genre boomte, und ich verbiege mich nicht.“ Überhaupt sei ihre Liebe zu England und der Insel immer da – hier spielt auch „Die Suche“. „Diese Liebe ist durch den Brexit nicht zu erschüttern. Doch die Produzenten sind verzweifelt. Sie wollen noch möglichst viel verfilmen, bevor die Kosten steigen werden“, weiß sie.
Inwiefern der Erfolg sie verändert hat? Da ist Link ganz bescheiden. „Das müssen andere beurteilen. Ich weiß nur: Der Erfolg (Link hat bisher rund 28 Millionen Bücher verkauft; Anm. d. Red.) gibt mir Sicherheit für meine Arbeit und festigt mein berufliches Selbstbewusstsein. Ich hoffe, dass er mich privat nicht verändert.“ Hofft das Publikum auch.
Charlotte Link:
„Die Suche“. Blanvalet Verlag, München, 656 Seiten; 24 Euro.