Den Irrsinn des Krieges in Totenköpfen oder in zerfetzten Körpern zu zeigen: Das ist nicht grausam, sondern nötig. Hundert Jahre später braucht es so ein Mahnmal, um nicht wieder der Gewalt anheimzufallen. Im Buchheim Museum Bernried wird gewarnt – und gefeiert: Am 11. November 1918 war Schluss mit dem Morden im Ersten Weltkrieg. Anlässlich dieses Jahrestags werden nun die Grafikzyklen von Otto Dix und Max Pechstein im Kabinett gezeigt. Dies ist nicht eine der vielen trocken-historischen Dokumentationen, sondern es ist ein neuer Blick auf Arbeiten, die in mehrerlei Hinsicht Lehrstücke sind.
Wir sind mittendrin in einem fruchtbaren Geschehen. Schützengräben, Verwundete, Tote, Gasmasken, Gewehre, Explosionen. Trauernde Mütter, entsetzte Kameraden. Letzte Zuflucht: zerlumpte Prostituierte. Hier wird nichts ausgelassen. Beide Künstler waren vorne mit dabei, beide ließ die Erinnerung nicht mehr los. Ihre Haltung, ihre Technik, ihre Sprache sind trotz der Ähnlichkeit der Motive unterschiedlich.
Max Pechstein (1881-1955) skizziert in wenigen Strichen und Farben fast comicartig. Das mag anfangs harmlos und irritierend wirken. Aber es sind die unmittelbaren Eindrücke der Schlacht an der Somme, jener britisch-französischen Großoffensive gegen die deutschen Truppen, die er 1916 als Infanterist und Maler miterlebte. Die 25 Aquarelle fallen in sein produktivstes Jahr 1917 in Berlin und sind getragen von einer Resthoffnung, dass sich das Blatt zugunsten der Deutschen wendet. Auch wenn er selbst den „preußischen Kadavergehorsam“ ablehnte, wollte er doch ein guter Soldat sein. Der Granateneinschlag ist deswegen nicht minder fatal, die Trauer nicht weniger groß.
Bei Otto Dix (1891-1969) werden daraus 1924 verwaiste Felder mit Bombenkratern, Leichenberge und Metaphern des Todes. In dreierlei themengerecht eingesetzten Radiertechniken zieht er das Resümee eines Krieges, den er mit Entsetzen und Faszination zugleich als Oberfeldwebel in erster Reihe überlebte. Für die 50 Blätter zum „Krieg“ zog er neben Erinnerungen auch Fotos heran: Dass er schonungslos die Grausamkeit zeigte, zog ihm den Hass der Kriegsverklärer zu.
Hätten nun ausgerechnet diese Blätter eine „unsaubere“ Herkunft, wäre das besonders heikel. Nicht zuletzt deswegen und wegen Hinweisen im heuer erschienenen Buch des Buchheim-Sohnes Yves hat man hier nachgeforscht – aber bisher nichts Nachteiliges gefunden. Das Buchheim Museum hat sich als erste private Stiftung freiwillig der Washingtoner Erklärung für staatliche Museen von 1998 angeschlossen und trägt sogar Teilkosten selbst: Etwaige NS-Raubkunst soll, so das Abkommen, identifiziert und restituiert werden.
Bis 23. März,
Di.-So. 10-17 Uhr,
Am Hirschgarten 1,
82347 Bernried;
Telefon 08158/ 99 700.