Neuerfindung durch Wandel

von Redaktion

Die Black Eyed Peas meldeten sich nach acht Jahren Pause im Münchner Zenith zurück

VON CHRISTOPH ULRICH

Wie es aussieht, wenn sich ehemalige Superstars nach acht Jahren Pause zurückmelden, war am Samstag im Zenith zu erleben. Die sechsfachen Grammy-Gewinner Black Eyed Peas, deren Songs hauptsächlich in den 2000ern die Charts dominierten, sind mit ihrem neuen Album „Masters of the Sun, Vol. 1“ auf Tour. Wie sich schon auf der CD andeutet, geht es für William Adams alias „will.i.am“, Allan Pineda Lindo alias „apl.de.ap“ und Jaime Luis Gomez alias „Taboo“ zurück zu den Anfängen als Trio, das sich auf eine knackige Live-Band anstatt auf einen DJ verlässt. Es ist kaum zu glauben: Zum wiederholten Mal in ihrer Karriere gelingt es der Multikulti-Truppe aus Los Angeles, sich neu zu erfinden.

Dass Veränderung so ziemlich die einzige Konstante in 20 Jahren Black Eyed Peas ist, ist eine von vielen Erkenntnissen nach gut eineinhalb Stunden Weltklasse-Show in München. Eine andere ist, dass sich selbst Stadion-erprobte Künstler, die mehr als 76 Millionen Alben verkauft haben, nach mehrjähriger Auszeit durchaus in einer zum Drittel abgehängten Halle wiederfinden können. Dass sie das sportlich nehmen und trotzdem ein Konzert spielen, das sich auch im Staples Center gut machen würde, nimmt man ebenso überrascht zur Kenntnis.

Auf einem pyramidenförmigen Konstrukt, das auf drei Ebenen nicht nur Platz für eine schlagkräftige Band, sondern genug (Tanz-)Fläche für die drei Rapper plus Gastsängerin Jessica Reynoso bietet, verschwimmen Bühnenbau und Projektionsfläche für atemberaubende Licht- und Video-Effekte zu einem großen Ganzen. Zahlreiche Kostümwechsel, Zwischensequenzen, Ansagen mit gewohnt politischen und bisweilen überraschend persönlichen Inhalten trennen die diversen Teile des Abends, der alle Fans bedient – ganz gleich, ob sie in der Oldschool-Rap-, in der Funk-Reggae-, in der R&B-Pop- oder erst in der späten, zweifelhaften Elektro-Pop-Phase zur Band gefunden haben. Es ist tatsächlich so, dass sich regelrechte Feier-Felder in der Halle auftun: Die einen lassen sich von den zwingenden Nummern aus „Elephunk“-Tagen wohlig von Energie durchzucken, die anderen feiern zu den polierten Elektro-Pop-Konstrukten jüngeren Datums. Mastermind und Produzent „will.i.am“ ist es gelungen, sämtliche Stücke so abzuschleifen, dass sie als reduzierte Konzentrate gut zu den neuen Nummern passen. Diese geben Hoffnung, dass die Band zu einem zeitgemäßen Sound gefunden hat, der poppig genug für den Massengeschmack ist – und gleichzeitig nicht anbiedernd flach daherkommt.

Die große Frage, wie Klassiker wie „Let’s get it started“, „Shut up“ oder „Where is the Love?“ ohne die ausgestiegene Fergie klingen, ist ebenfalls eindeutig beantwortet: Gut – weil man ihre Parts entweder einsparte oder der so stimmgewaltigen wie fähigen Jessica Reynoso zugestand, die sie sich zu eigen machte.

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