von Redaktion

24 Liebesbotschaften

Der Advent ist die Zeit der klopfenden Herzen. Das weiß jedes Kind, das am Adventssonntag die erste Kerze entzünden darf und vor dem Nikolaustag erwartungsvoll seine Stiefelchen vor die Türe stellt. Und dann ist da noch eine besonders süße, kleine aber feine Freude, die Morgen für Morgen im Dezember die Herzen zum Hüpfen bringt: der Adventskalender. Die sind heute so hübsch gestaltet, dass sie nicht nur eine Erinnerung an die voranschreitende Zeit bis zum Fest der Geburt Jesu sind, sondern längst selbst Teil der Weihnachtsdekoration. Im besten Fall werden wir nach dem Öffnen des Türchens für ein paar Minuten aus dem Trubel herausgerissen und daran erinnert, worum es in der staaden Zeit tatsächlich geht. Darum, Liebe in die Welt zu bringen etwa. Das Büchlein „Advent mit Herzklopfen“ (Coppenrath, 48 Seiten; 10,99 Euro) nimmt das wörtlich und bietet jeden Tag einen Aphorismus oder ein Gedicht zu diesem alles andere übertreffenden Gefühl. „Man braucht nichts, wo sich Herz und Herz gefunden; man lebt schon halb, wenn man sich täglich sieht“ – da wird jedes noch so teure Geschenk plötzlich zur Nebensache.

Für Franken

Der „Zwedschgermännla“ ist zwar ein fränkischer Adventskalender – doch verständlich ist die Geschichte, die da auf 24 Karten in Christbaumkugelform erzählt wird, auch für jeden, der des Fränkischen nicht mächtig ist. Auf dem Christkindlesmarkt in Nürnberg verkauft Jakob Bemmerlein seine Zwedschgermännla – die eines Nachts ein gar nicht so zuckersüßes Eigenleben entwickeln. Autor dieser kurzweiligen Vorweihnachtsgeschichte ist Klaus Schamberger, bekannt unter anderem für seine Radiokolumne „Freitagsgschmarri“ im Bayerischen Rundfunk. In die Blechdose, in der der Kalender liegt, passen wohl nur winzig kleine Männla. Sollten auch die einmal munter werden: einfach Deckel drauf und Ruh is („Zwedschgermännla. Ein fränkischer Adventskalender“. ars vivendi, 24 Karten in einer Blechdose; 14,90 Euro).

Magisch

„Das ist doch nur ein Kalender“ – „nur“ ein Kalender? Von wegen! Was Jonas da auf der Straße gefunden hat, ist in Wahrheit eine Wunderbox, die die Fantasie entfacht. In 24 Kapiteln erzählt Jan Brandt in „Der magische Adventskalender“ (Dumont, 205 Seiten; 22 Euro) davon, wie Jonas durch eben diese Wunderbox die Neugier aufs Leben zurückgewinnt. Die war dem Buben nach dem Verlust der Mutter und der Großmutter abhanden gekommen. „Eine Kindergeschichte in Zeiten der Kälte“ wollte Brandt schreiben. Das ist ihm geglückt. Junge Leser (ab zehn) werden Vergnügen beim Miträtseln haben. Denn die Türen der hölzernen Adventskalender-Box lassen sich nicht einfach öffnen – Jonas muss sich auf die Suche machen, jeweils die auserwählte Person zu finden, die des Öffnens mächtig ist. Das allein ist schon schwierig genug, doch dann sind da ja auch noch so nervige Pflichten wie Schule und Chorproben. Wie die Adventszeit trotzdem magisch wird, daran erinnert dieser literarische Adventskalender.

Bilderreich

Alle Jahre wieder – macht es uns der Coppenrath Verlag nicht leicht. In den Buchhandlungen glitzern sie einem schon entgegen: die liebevoll gestalteten Adventskalender aus dem Münsteraner Haus. Der „Himmelsbahnhof“ (11 Euro, Foto oben) verwandelt sich Türchen für Türchen in ein weihnachtliches Wimmelbild, das an die Illustrationen im Weihnachtskinderbuch-Klassiker „Die Himmelswerkstatt“ erinnert. Literaturliebhaber werden Freude an der „Adventspoesie mit deutschen Dichtern“ (13,99 Euro, Foto rechts) haben. In jedem der 24 Schlitze steckt ein Zettelchen, darauf Poesie von Ringelnatz, Goethe, Rilke, Fontane und anderen. Und auch wer’s kitschig mag, kommt bei Coppenrath auf seine Kosten: Im Adventskalender „Having a wonderful Christmas Time“ (20 Euro) erklingt beim Öffnen jedes Türchens eine bekannte Weihnachtsmelodie – von „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ bis „Maria durch ein Dornwald ging“. Gegen das leichte Scheppern hilft nur eins: kräftig mitsingen!

Weihnachtsklassiker

Ein Weihnachten ohne Jack Golds „Der kleine Lord“ (1980)? Für viele unvorstellbar. Der Film gehört zur Vorweihnachtszeit wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (1973) und „Die Feuerzangenbowle“ (1944). Um auch diejenigen, die selbst noch nicht das Alter des kleinen Cedric Errol erreicht haben, schon mal auf diese vorweihnachtliche Fernsehtradition einzustimmen, eignet sich das Büchlein „Der kleine Lord“ (ab fünf Jahren) im Winterjackentaschenformat. In 24 Mini-Kapiteln wird die Geschichte Tag für Tag fortgesetzt. Liebevoll mit ebenso kleinen Bildchen von Anna de Riese illustriert. Zum krönenden Schluss wird der Autorin Frances H. Burnett (1849-1924) gedacht, die zwar große Erfolge feierte – aber Kritik erntete. Der Vorwurf: Eine Mutter habe bei ihren Kindern zu sein statt Karriere zu machen. Weihnachtswunsch: dass geliebte Traditionen weitergeführt – verkrustete Vorstellungen aber fröhlich über Bord geworfen werden (Frances H. Burnett: „Der kleine Lord. Der Weihnachtsklassiker in 24 Kapiteln“. Coppenrath, 199 Seiten; 10 Euro).

Jazz und Poesie

Und dann trägt Ilja Richter das „Weihnachtslied, chemisch gereinigt“ (1927) von Erich Kästner vor. Im Kopf hat er dabei aber nicht wie der Autor die sozialen Spannungen der Weimarer Republik – sondern unsere heutige Zeit. Einen alten, geflohenen Menschen in einem Aufnahmelager sieht Richter vor seinem inneren Auge. Und fragt sich, was der wohl denken könnte. Vielleicht Kästners Zeilen: „Morgen, Kinder, wird’s nichts geben (…) Einmal kommt auch Eure Zeit. Morgen ist’s noch nicht so weit.“ Durch seine kurze Anmerkung vorab gelingt es dem Sprecher, der starken Wirkung des Gedichts neue Wucht zu verleihen. Doch auch den Hoffnungsschimmer, der in der letzten Strophe liegt, belebt er neu: „Gottes Güte reicht so weit… Ach, du liebe Weihnachtszeit!“ Wenn der mitmenschliche Funke nicht jetzt, in diesen für viele so glücklichen Tagen vor der Heiligen Nacht, überspringt – wann dann? Der „Literarische Adventskalender“ bietet neben Kästner 25 weitere Gedichte, von Rilke bis Tucholsky, von ernsthaft bis heiter. Unterlegt mit jazzigen Tönen, die erfrischend frech gegen den „Last Christmas“-Einkaufszentrumgedudel-Einheitsbrei anspielen. Berührend, nachdenklich stimmend, wunderbar! („Ein literarischer Jazz-Adventskalender“, gesprochen von Ilja Richter, Leslie Malton und Michael Tregor zu Musik von Magnus und Ferenc Mehl; mochermusic; 14,99 Euro).

Aus der Heimat

Schokolade naschen ohne schlechtes Gewissen – das darf man in der Vorweihnachtszeit. Mit dem „Bayerischen Adventskalender“ umso mehr, denn ein Euro des Verkaufspreises geht an die SOS Kinderdörfer. Einfache Formel für alle Naschkatzen: Je mehr Schokolade man futtert, desto mehr Projekte können in Bayern gefördert werden. In diesem Jahr hat die Münchner Künstlerin Birgit Busch wieder beliebte Sehenswürdigkeiten aus dem Freistaat in selbst gemalten Bildchen versammelt. Die Kalender werden in Bayern entwickelt und gefertigt. Einen Überblick über die Geschäfte, die sie anbieten, gibt es online unter www.bayerischer-adventskalender.de. Eile ist geboten – erfahrungsgemäß sind sie recht schnell ausverkauft („Der Bayerische Adventskalender“. 24 Türchen mit Schokolade; 9,50 Euro). KATJA KRAFT

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