Für Münchens Verdi-Fans war es ein gutes Wochenende. Gab es als Bonusrunde zur mit Spannung erwarteten „Otello“-Premiere der Staatsoper (wir berichteten) doch gleich noch Gelegenheit, mit einem hierzulande eher selten zu hörenden Frühwerk des Komponisten Bekanntschaft zu machen. Und wie an der Maximilianstraße waren auch bei den konzertanten „Due Foscari“ im Münchner Prinzregententheater aller Augen und Ohren auf den Bariton gerichtet.
Schließlich war mit dem 76-jährigen Leo Nucci einer der großen Verdi-Sänger seiner Generation aufgeboten, der aus dem reichen Erfahrungsschatz einer inzwischen fünf Jahrzehnte währenden Karriere schöpfen konnte und bereits nach seiner großen Szene im dritten Akt mit nicht enden wollenden Ovationen gefeiert wurde. Und das zu Recht – man konnte sich für die Rolle des alternden Dogen, der unter politischem Druck seinen eigenen Sohn in die Verbannung schicken muss und letzten Endes daran zerbricht, kaum einen überzeugenderen Interpreten wünschen. Selbst wenn die Stimme jenseits der 70 natürlich an Geschmeidigkeit eingebüßt haben mag, wusste Nucci an entscheidender Stelle doch immer noch alle Reserven zu mobilisieren und das Geschehen eindrucksvoll zu dominieren.
Bühnensohn Ivan Magri konnte ihm dabei mit durchschlagfähigem Tenor ebenso Paroli bieten wie Guanqun Yu, die als Lucrezia mit gestähltem Sopran um das Leben ihres Mannes kämpfte und neben den großen dramatischen Ausbrüchen auch mit lyrischeren Farben zu malen verstand. Vertrauen konnte sie dabei auf Ivan Repušić, der am Pult des Rundfunkorchesters keineswegs nur auf große Effekte setzte, sondern etwa zu Beginn des zweiten Aktes im kammermusikalisch feinen Dialog zwischen Solo-Bratsche und Cello bereits die klanglichen Finessen des „Don Carlo“ ahnen ließ.