Die deutsche Sprache verdankt ihm ganz wunderbare Verse, und die Liebhaber des gezeichneten Humors feiern ihn für seine Cartoons: F. W. Bernstein gehörte zur seltenen Spezies der Universaltalente. Der Mitbegründer der „Frankfurter Neuen Schule“, der Nachkriegsdeutschland ein neues Humor-Verständnis verdankt, ist am Donnerstag mit 80 Jahren gestorben.
Bernstein war der letzte Überlebende eines fulminanten Dreigestirns: Zusammen mit Robert Gernhardt und F. K. Waechter hatte er in Frankfurt Mitte der Sechzigerjahre eine legendäre Kolumne in der Satirezeitschrift „Pardon“ – seine „Welt im Spiegel“ wurde zu einer Spielwiese für Witz, Nonsens und Ironie. Als Einziger des Trios brachte es Bernstein zum Hochschullehrer. In Berlin bekleidete er von 1984 bis zum Ruhestand eine Professur für komische Kunst an der Hochschule für Künste, die einzige derartige Einrichtung überhaupt in Deutschland. Bernstein, der Fritz Weigle hieß, wurde am 4. März 1938 in Göppingen geboren, er studierte an den Kunstakademien in Stuttgart und in Berlin. 1964 landete er bei „Pardon“ als Redakteur und traf auf seine kongenialen Partner Gernhardt und Waechter. Als „Unabhängige Zeitung für eine sauberere Welt“ kreierten sie die „Pardon“-Beilage. In Anlehnung an die berühmte Frankfurter Schule der Philosophie um Theodor W. Adorno und Max Horkheimer nannte sich die Komiker-Avantgarde „Neue Frankfurter Schule“.
Bernstein hat in den vergangenen Jahrzehnten ein kaum übersehbares zeichnerisches Werk geschaffen. Bekannt wurde er vor allem mit seinen „Wimmelbildern“. Noch bekannter wurde aber sein Zweizeiler über den Elch, der lange Gernhardt zugeschrieben worden war. Der Spruch „Die schärfsten Kritiker der Elche/ waren früher selber welche“ ist Kult.
Das Besondere am Humor des Trios: Er ist nicht einfach zu fassen. Neben dem Derben gibt es immer auch etwas Hintergründiges, ganz im dialektischen Sinn Adornos und Horkheimers. Bernd Eilert, einer der Autoren der „Neuen Frankfurter Schule“, hat es auf diesen Nenner gebracht: „Aus dem Humor, der darin besteht, dass man trotzdem lacht, und dem Lachen, das im Halse stecken bleiben soll, wurde eine mehrschichtige Form von Unsinn.“