„Ich wollte das Unvollkommene“

von Redaktion

Das Stück „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ hatte im Metropol Premiere

VON MALVE GRADINGER

Unerhört, aber unerhört gut: endlich mal eine Frau als Gott! So kühn ist wohl in München nur das Metropol Theater, diesmal im angebauten Fünfzigerjahre-Café. Aber Entwarnung: Weder #MeToo noch fromme Reflexionen spielen hinein in Axel Hackes Zweipersonen-Stück „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“. In diesem surreal-poetischen Nachdenken über Leben, Tod und Schöpfungsallmacht besetzte Thomas Flach den körperlich mächtigen Dieter Fischer als kindlich neugierigen Nachforscher und Judith Toth in androgynem Fashion-Look (Kostüme: Cornelia Petz) als sich infrage stellenden Gott. Dem anwesenden Autor gefiel’s und den dezibelstark applaudierenden Zuschauern auch.

Es ist ein Märchen – aber doch ganz in der realen menschlichen Wahrnehmung verankert. Auf dem erhöhten Spielpodest sieht sich Fischer in der Café-Fensterfront gespiegelt – genau wie seine Stück-Figur im Fenster eines fahrenden Zuges: „Irgendwann vergisst man, wer man ist, der hier oder der da drüben.“ Und so driftet Fischers „zwischen-irdisches“ Ich hinüber zu den täglichen Spaziergängen an der Isar mit dieser Unbekannten, nämlich Frau Gott.

Sie scheint recht menschlich, lässt als Lausbubenstreich einen Gott-Doppelgänger draußen an der Fensterfront vorbeihuschen (Flachs pfiffige Bühnenerweiterung). Ja mehr noch: Diese Gott, die im schnodderigen Halbstarken-Gestus den Kumpel mit Fluppe gibt, stuft die göttliche Wirkmächtigkeit herunter: „Weil die Menschen, wenn sie mit Gott reden, vor allem mit sich selbst reden. Mich kennt keiner. Mir hört niemand zu.“ Also hat dieses Ich sich den Gesprächspartner Gott selbst erfunden? Listig, dieser Axel Hacke, in seinen ständig zwischen Realität und Kopfkino schwebenden Welt- und Gott-Erklärungen. „Ich wollte das Unvollkommene. Ich bin doch kein Ingenieur. Ich bin Künstler“, argumentiert Frau Gott. Im Künstlerischen treffen sich diese Gott und dieses Ich, das ja ebenfalls Dinge kreiert. Warum ausgerechnet einen 25 Zentimeter großen Büro-Elefanten? Tja, ein paar Fragen müssen schließlich offen bleiben.

Weitere Vorstellungen

bis 17. Januar; Telefon 089/ 32 19 55 33.

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