Vergessener Schubert-Schatz

von Redaktion

Hervorragend (((((

Unentdeckt haben die Mitschnitts-Bänder lange und tief im ORF-Archiv geschlummert. Zur Vorbereitung des 175. Geburtstags der Wiener Philharmoniker kamen sie nun ans Licht. Was für ein Schatz: 1971 dirigierte der damals 38-jährige Claudio Abbado Schuberts fünfte und achte (nach neuer Zählung siebte) Symphonie im Musikverein. Nur wenige Dirigenten gab und gibt es ja, die einen Schlüssel zu Schubert besaßen, der 2014 gestorbene Abbado hatte ihn. In der Fünften trifft er genau den so charakteristischen Ton zartbitterer Eleganz. Beeindruckender ist die Interpretation der „Unvollendeten“. Abbado begreift sie nicht nur als letzten Gruß der Wiener Klassik, sondern auch als Vorahnung Bruckner’scher Plattentektonik. Das zum Zerreißen gespannte Riesen-Crescendo, die nachtschwarzen Abgründe im Kopfsatz, das hat nur noch Carlos Kleiber so hinbekommen. Eine Referenzaufnahme.  th

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