Ein Hauch von Mottenkugeln

von Redaktion

An der Staatsoper wurde Bellinis „Norma“ wiederaufgenommen – mit allerhand Wacklern

VON MARKUS THIEL

Zur Pause wird es der Dame in Parkettreihe zehn zu lästig. Nach Mottenkugeln stinke es, mosert sie, und hat einen Herrn im unmittelbaren Umfeld im Visier. Gut möglich, dass der unschuldig ist: Der Geruch könnte auch von der Bühne kommen. Vor 13  Jahren kam Bellinis „Norma“ in Regie und Ausstattung von Jürgen Rose an der Bayerischen Staatsoper heraus. Was schon damals illustratives, ästhetisch angreifbares Nacherzählen war, ist jetzt nur mehr Arrangement und szenische Verständigung.

Es sei denn, es gibt ungeplante Vitalitätsschübe. Eigentlich sollte Annalisa Stroppa im April als Suzuki in „Madame Butterfly“ erstmals am Haus zu erleben sein, nun wurde das Debüt vorgezogen mit dem Einspringen als Adalgisa für Angela Brower. Prompt wird die Italienerin zur Mittelpunktsfigur. Eine dunkle, sehr energiereiche Gestaltungskunst bringt sie mit, einen ausgreifenden Mezzo mit lyrischer Erziehung und expressivem Potenzial. Dass Annalisa Stroppa – etwa in Bregenz – als Carmen gebucht wird, überrascht kaum.

Nicht nur deshalb fällt Carmen Giannasttasio in der Titelrolle dagegen ab. Die Agilität für die Norma hat sie, auch eine gewisse Dramatik. Doch sind viele Töne erobert statt aus ungestauter Phrasenbildung entstanden. Und dass die einstige Siegerin von Domingos „Operalia“-Wettbewerb sehr knapp intoniert, ist ein Alarmzeichen. Joseph Calleja fräst sich in seiner Auftrittsarie etwas fest, was auch anderen Polliones passiert. Danach ist alles schmiegsame, immer reicher schattierte Belcanto-Kunst – ein Muster-Interpret. Interaktion mit den Kolleginnen bleibt freilich Glückssache und Ausnahmefall.

Mika Kares (Orovese), von der Regie ins Abseits gestellt, macht das durch vokale Präsenz wett. Bei Dirigent Daniele Callegari klingt es (noch?) nach leidlicher Koordination statt Interpretation. Der Chor eilt gern voraus, anfangs ist vieles im Orchester diffus. In den Folge-Aufführungen dürfte manches einrasten. Dafür hatte der Souffleur seinen großen Abend, das Final-Terzett des ersten Teils wurde glatt zum Quartett.

Weitere Aufführungen

am 9. und 12. Januar; Telefon 089/ 2185-1920;

Vlada Borovko wird die Partie der Clotilde für die erkrankte Natalia Kutateladze übernehmen.

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