Isarlässigkeit

von Redaktion

Christoph Well und das Kammerorchester der Philharmoniker

VON MAXIMILIAN MAIER

Stilecht mit Lederhosen und Ziach  führt Christoph Well in Form von gewohnt geistreichen, witzigen Gstanzln durch das Neujahrskonzert im Münchner Prinzregententheater. Es ist eine wunderbare Melange aus Hits der Strauss-Dynastie, goldener und silberner Operette, sowie anderer Schmankerl mit hiesigem Humor. Beispiel gefällig? „,Die West Side Story‘ vom Bernstein waarad in München no vui scheena,/ aber des gehd ned weil da Tony und d’ Marie sich koa Wohnung leisten kenna.“

Ein bisserl Politik ist also auch dabei, zum Schluss bekommen die Regierenden ihr Fett weg. Viel wird gelacht, auch im Kammerorchester der Münchner Philharmoniker. Und zwar nicht nur während Wells Moderationen. Der Ausflug in unter dem Jahr eher untypische Gefilde macht den Musikern sichtlich Spaß. Besonders die Polkas („Donner und Blitz“, „Tik-Tak“, „Tritsch-Tratsch“) servieren sie lustvoll und klanglich edel. Häufig klappert’s auch ganz schön, besonders in den Operettenduetten, zum Beispiel aus der „Csardasfürstin“, mit den Solisten Cornelia Lanz und Manolito  Mario Franz. Da entglitten  Konzertmeister Lorenz  Nasturica-Herschcowici als Generalanimateur schon mal die Fäden. So kurz nach Silvester  wird  das aber unter kommoder Isarlässigkeit  verbucht. Im „Walzer Nr. 2“ von Schostakowitsch kann das Philharmoniker- Kammerorchester symphonisch prunken und für das Potpourri aus Benatzkys „Weißem Rössl“ lässt sich schwerlich eine bessere Combo finden.

Christoph Well, als ganz junger Mann selbst Solotrompeter bei den Philharmonikern, gibt sich im „Perpetuum mobile“ und der „Schönen blauen Donau“ an der Harfe die Ehre. Schade, dass er nicht viel mehr mitmusiziert. Eine von Händel inspirierte „Feuerwehrmusik“, bei der Well sowohl an der Bachtrompete als auch mit Zwischentexten in Gerhard-Polt- Qualität brilliert, zeigt das Riesenpotenzial. So war es ein wahrlich unterhaltsamer Abend. Mit mehr Proben- und gemeinsamer Planungszeit mit Well hätte es eine Sternstunde werden können.

Artikel 1 von 11