Klangsprachen

von Redaktion

Abonnementkonzert der Philharmoniker

VON ANNA SCHÜRMER

Als in deutschsprachigen Landen bereits der Geist der Atonalität spukte, war im paneuropäischen Raum die Spätromantik längst nicht verklungen. In neoklassizistischen Klangsprachen wurden nationale Identitäten besungen. Davon erzählt das dritte Abonnementkonzert der Münchner Philharmoniker im witterungsbedingt ausgedünnten Gasteig.

Jean Sibelius etwa zeichnete mit seiner karg strahlenden Musik ein Klangbild seiner finnischen Heimat. Die sinfonische Dichtung „En Saga“ beginnt geheimnisvoll gedämpft und breitet sich in mystisch aufgeladenen Linien aus. Dazu passt die elfenhafte Erscheinung des jungen Gastdirigenten Santtu-Matias Rouvali, der seinen Landsmann filigran anleitet und in aufbrausenden Momenten auch koboldhaften Charme aufblitzen lässt. Die niederländische Cellistin Harriet Krijgh tritt in oranje-farbener Robe und Ton in Ton mit ihrem Cello auf die Bühne, um mit Edward Elgars Konzert für Violoncello und Orchester den britischen Neoklassiker weniger schwelgerisch als psychologisch zur Geltung zu bringen. Vom Orchester wird sie ebenso transparent wie sensibel durch die vier Sätze geleitet. Das Zusammenspiel erreicht im vierten Durchgang seinen Höhepunkt, wenn Krijgh und die Musiker in dunklen Registern die melancholische Grundhaltung des Werks spielerisch beleben.

Nach der Pause wartet mit Sergej Prokofjews fünfter Symphonie ein musikalisches Fanal, das im Kriegsjahr 1944 die klassische Sinfonik mit russischem Geist belebte und unter Rouvalis schlagkräftiger Eleganz eine ganz starke Aufführung erlebt: Heroisch kommt der erste Satz mit seinem perkussiven Schlussteil daher. Das Allegro marcato treiben die Philharmoniker mit makabrem Klangwitz auf die Spitze, um im Adagio einen leicht aus den Fugen geratenden Trauermarsch zu intonieren, bevor   das  scherzhafte  Finale dem Geräuschhaften triumphal Bahn bricht.

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