Symphonische Schwergewichte à la Brahms sind sie tatsächlich nicht, aber entschieden zu schade für die Versenkung. Unter ihrem Chefdirigenten Kevin John Edusei (Foto: Marco Borggreve) luden die Münchner Symphoniker am Sonntagvormittag zur „Schubertiade“ in den Herkulessal und präsentierten Dementsprechendes – allerdings in mancherlei Gestalt.
Die dritte Symphonie bot Schubert pur. Erstaunlich, was dem 18-Jährigen da alles eingefallen ist und wie gekonnt er vom ernsten Einstieg (Adagio) in ein inspiriertes, munteres Allegro wechselt. Edusei leitete die Symphoniker mit leichter Hand, hielt auch den zweiten Satz in feiner, fast tänzerischer Transparenz. Im akzentuierten Menuetto punktete das Holz mit lieblichem Trio, bevor die Musiker durch ein sensibel ausgeleuchtetes Finale fegten. Die folgende „Wanderer-Fantasie“, im Original für Klavier solo, erschien im Gewande Liszts, der sie zum Konzert für Klavier und Orchester ummodelte.
Wenngleich Schubert-Freunden die ursprüngliche Version lieber ist, war es interessant zu hören, wie der auf Virtuosität zielende Liszt Klavier und Orchester gleichermaßen herausfordert. Der junge Franzose David Kardouch absolvierte seinen Part mit Bravour, wobei der Flügel oft ein wenig stumpf klang. Gleichwohl beeindruckte er mit introvertierter Kantabilität im Adagio und Klarheit im Fugen-Finale. Das Orchester sorgte für manche dramatische Steigerung.
Sehr hörenswert auch die von Schubert 1821 begonnene und nur in wichtigsten Stimmen notierte E-Dur-Symphonie, die Brian Newbould 1978 fertigstellte. Auch wenn Schuberts geniale Orchestrierung nicht erreicht wird, sorgte Edusei mit nie angestrengter, immer dem organischen Fluss der Musik folgenden Interpretation dafür, dass sein Orchester in auftrumpfenden Momenten ebenso überzeugte wie in zarten Piani. Dabei erfreuten reiche Modulationen und das fröhliche Vagabundieren des frischen Geigenmotivs im dritten Satz ebenso wie die Steigerung im Finale. GABRIELE LUSTER