Bühnenbildner des Kinos

von Redaktion

Der legendäre Münchner Filmarchitekt Rolf Zehetbauer feiert heute seinen 90. Geburtstag

VON ZORAN GOJIC

Wer berühmt werden will, ist im Showgeschäft nicht zwangsläufig richtig. Szenenbildner, zum Beispiel, tragen maßgeblich zum Erfolg eines Filmes bei – aber außerhalb der Branche sind sie so gut wie niemandem ein Begriff. Rolf Zehetbauer ist eine Ausnahme, wegen eines Ausnahmefilms: Er bekam 1973 den Oscar für „Cabaret“, jenen Hollywoodklassiker, der in München gedreht wurde.

Damals konnte Zehetbauer schon auf ein Vierteljahrhundert Berufserfahrung zurückblicken – und war doch erst ein Mittvierziger. Nach dem Kunststudium war er blutjung als Ausstatter beim Film gelandet und dort 1949 von Heinz Rühmann für dessen Regiearbeit „Die kupferne Hochzeit“ engagiert worden. Nicht übel für einen Jungspund, der früh an Meisterwerken wie „Nachts, wenn der Teufel kam“ (1957) mitwirkte und innerhalb kurzer Zeit zum obersten Bühnenbildner der Münchner Bavaria-Studios aufstieg.

An sich ist es das größte Kompliment, wenn die Kulissen so stimmig sind, dass sie nicht weiter auffallen, aber es gibt Ausnahmen. Für die legendäre Science-Fiction-Reihe „Raumpatrouille Orion“ ersann Zehetbauer mit wenig Geld und viel Einfallsreichtum wunderbar groteske Welten, die gleichermaßen den Zeitgeist spiegelten und doch vollkommen abseitig wirkten. Erstaunlich ist, wie unerschöpflich die Ideen sprudelten, denn Zehetbauer war zu der Zeit mehr als gut ausgelastet. Im selben Jahr, in dem er sich um die „Raumpatrouille“ kümmerte, werkelte er an neun weiteren Projekten. Und weil in jener Zeit noch häufig und gerne Filmemacher aus aller Welt in München drehten, wurde Zehetbauer auch für internationale Produktionen gebucht. Er arbeitete mit renommierten Regisseuren wie Ingmar Bergman und Bob Fosse. Hollywoodlegenden wie Burt Lancaster und Jon Voight standen vor und in seinen Kulissen. Faszinierend ist, wie gut es Zehetbauer immer gelang, sich auf die jeweilige Bildsprache und den Stil des jeweiligen Regisseurs einzulassen: beim epischen Welterfolg „Das Boot“ ebenso wie bei den nervösen Filmen Rainer Werner Fassbinders.

Nebenbei hat Zehetbauer noch Bierzelte gestaltet, natürlich sind auch die preisgekrönt. Nun wird der Mann, der rund 150 Film- und Fernsehproduktionen ihr Gesicht gegeben hat, 90 Jahre alt und darf sich mit Fug und Recht „Filmarchitekt“ nennen lassen. Das hat er sich mehr als verdient.

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