Finale mit Ekstase

von Redaktion

Mike Skinner in der Muffathalle

Mike Skinner hat etwas zu feiern in München. Mit seiner Band The Streets spielt er in der ausverkauften Muffathalle das letzte Konzert seiner Europatournee. Und dieses endet nach gut zwei Stunden damit, dass Skinner mit zwei Flaschen Champagner bewaffnet in die Menge hinabsteigt, den Inhalt im Stil eines Formel-1-Champions ins Publikum spritzt, um sich dann von den tobenden Fans auf Händen durch die Halle tragen zu lassen.

Ekstase ist das richtige Wort, um den fulminanten Abschluss dieser The-Streets-Tour zu bezeichnen. Dabei hatte sich Skinner eigentlich längst von der Bühne verabschiedet. The Streets waren die britische Band der ausgehenden Blair-Ära, als der Aufbruch längst der Ernüchterung gewichen und Cool Britannia nur noch ein Schatten seiner selbst war.

Dann, vor acht Jahren, hatte der Brite das Gefühl, dass er nichts mehr zu sagen hätte. Und statt einfach weiter Platten zu veröffentlichen, hat er kurzerhand das Ende der Band verkündet. Jetzt, endlich, mitten im Brexit-Wahnsinn, die Rückkehr. Skinner präsentiert sich gereift, ohne ein Stück seiner Bühnenpräsenz verloren zu haben. Statt mit Plattentellern und Synthesizern lässt er sich bei seinen Raps von einer sechsköpfigen Band begleiten – der ein entspannter Groove genauso gelingt wie der wilde Partysound.

Skinner kümmert sich um sein Publikum, einem Zuhörer nimmt er die schwere – und für das ohnehin schweißtreibende Konzert viel zu warme – Lederjacke ab und bewahrt sie auf der Bühne auf. „Ich will schließlich nicht, dass du hier vor Hitze stirbst.“ Vom seinen Münchner Fans hat der Brite ein klares Bild: „Gottesfürchtige Bauern, die zufällligerweise Autos bauen“, sagt er immer wieder. Britischer Humor, den die Fans lieben – und für den sie Skinner am Ende auf Händen tragen. MARC KNIEPKAMP

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