„Meine Zeit kommt erst“

von Redaktion

Sänger Niklas Clarin, Enkel von Hans Clarin, über sein offizielles Bühnen-Debüt

Mit dem Namen war dasTheater fast schon in die Wiege gelegt. Im Gegensatz zum berühmten Großvater Hans Clarin und den Eltern hat Niklas Clarin seine Berufung jedoch in einem anderen Genre gefunden. Nämlich beim klassischen Gesang. Ab 27. Februar kann man den jungen Bariton nun an der Komödie im Bayerischen Hof in „Noch einmal verliebt“ erleben. Hier teilt er sich die Bühne mit Christian Wolf, Gila von Weitershausen und Cordula Trantow sowie einem weiteren vierbeinigen Bühnenpartner.

Eine alte Theaterweisheit lautet, „Spiele nie mit Kindern oder Tieren“. Ist der Chihuahua Purzel ein umgänglicher Kollege?

Den Spruch kenne ich natürlich, aber ich finde es schön, dass Purzel dabei ist. Er benimmt sich sehr gut, auch wenn er einem manchmal etwas die Show stiehlt. Aber das gehört nun mal dazu.

Ist es das erste Mal, dass Sie an der Komödie im Bayerischen Hof arbeiten?

Es ist überhaupt das erste offizielle Engagement für mich. Ich hatte zwar bereits an der Hochschule ein paar Produktionen und stand 2013 im Münchner Galerie Theater meiner Eltern auf der Bühne. Das war aber alles noch vor dem Studium. Ich habe zuerst hinter der Bühne mitgeholfen und Licht und Tontechnik gemacht. So ungefähr mit zehn hab’ ich damals zusammen mit meinem Vater die ersten Stücke gefahren und war auch vorher oft bei den Proben dabei. „Faust“ oder „Maria Stuart“, das konnte ich alles auswendig.

Ab wann war Ihnen klar, dass es auch für Sie auf die Bühne gehen soll?

Das mit dem Gesang hat sich parallel entwickelt. Ich hatte schon ab 13 privaten Gesangsunterricht. Aber mehr so zum Spaß. Zuhause liefen oft die Platten von der „Zauberflöte“, „Carmen“ oder „Manon Lescaut“. Oper war immer eine Leidenschaft von mir. Aber die Entscheidung, das richtig zu studieren, die kam ungefähr mit 17.

Haben Ihre Eltern Sie dabei unterstützt, ins Familienmetier einzusteigen, oder eventuell aus eigener Erfahrung darauf bestanden, erst einmal „etwas Anständiges“ zu lernen?

Sie standen immer hinter mir und haben mich auch dann bestärkt, wenn ein Vorsingen mal nicht so gut gelaufen ist. Da ist man immer etwas geknickt, aber sie haben mich wieder aufgebaut und ermutigt weiterzumachen.

War es beim Studium eine bewusste Entscheidung, München hinter sich zu lassen?

Ich hatte mich an verschiedenen Hochschulen beworben, und Detmold war die erste, an der ich durch alle Runden kam. Wenn man einen guten Lehrer hat, ist es zweitrangig, wo man ist. Und bei Kammersänger Marco Zeffiri fühle ich mich jetzt sehr gut aufgehoben.

Wie erleben Sie die Produktion hier an der Komödie im Bayerischen Hof?

Für mich ist es eine interessante Erfahrung, dabei zu sein und mit diesem großartigen Trio gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Da kann man sich viel abschauen.

Gibt es Traumrollen?

Auf jeden Fall den Don Giovanni, weil es eine wahnsinnig facettenreiche Figur ist. Ob es einmal dazu kommen wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Eine Traumrolle ist er definitv.

Wie würden Sie Ihre Stimme beschreiben?

Momentan ist es eher ein hoher lyrischer Bariton. Aber ich merke auch selbst, dass sich da immer noch viel tut. Richtig fertig ist man als Sänger ja ohnehin nie. Das ist auch ein Grund, warum ich glaube, dass meine Zeit erst in zehn Jahren kommt. Ich fühle mich in diesen ganzen Vaterrollen wie Germont oder Rigoletto unglaublich wohl. Die Arien singe ich für mich daheim schon gerne durch, aber den ganzen Abend zu schmeißen, das nimmt mir noch keiner ab.

Joe DiPietro, Autor von „Noch einmal verliebt“, ist auch für seine Musicals bekannt. Was erwartet das Publikum denn bei dieser Produktion in musikalischer Hinsicht?

Es bleibt schon klassisch. Aber zu viel will ich eigentlich nicht verraten. Denn die Arien und Lieder sind sehr bewusst in das Stück eingebaut. Es ist einerseits eine Komödie, hat aber auch eine sehr berührende Note. Als wir die Schlussszene zum ersten Mal gemacht haben, hatte sogar ich Tränen in den Augen.

Das Gespräch führte Tobias Hell.

Premiere

an diesem Mittwoch, Aufführungen bis 7. April, Karten unter Telefon 089/ 29 28 10.

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