Tanz hoch drei – bitte mindestens! Vom 16. bis 26. Mai werden wieder, so erwartet man auf jeden Fall, die Bühnenbretter heiß getanzt: im Gasteig, in den Kammerspielen, im Marstall, im HochX und weiteren Spielstätten Münchens. Zum vierten Male schon kuratiert Nina Hümpel das biennale städtische Tanzfestival, bei ihrem Beginn 2012 noch mit Dieter Buroch als Partner, seitdem mit ihm als Berater.
Nun ist man gespannt, wie Hümpel in den globalen wirtschaftlich unruhigen und durch Kriege belasteten Zeiten ihr Festival bestückt hat. Zwei Hauptwegweiser gibt sie uns an die Hand: „Tanzkünstler“, sagt sie, „gehen zurzeit noch expliziter als vor Jahren auf die politischen Strömungen und Stimmungen ein.“ In diesen Polit-Choreografien werde vornehmlich gefragt: Wie lassen sich scheinbar unüberbrückbare Barrieren überwinden? Wie wollen wir miteinander leben? Was kann eine engagierte Gruppe für die Gesellschaft erreichen?
Andererseits erlebt der zeitgenössische Tanz offensichtlich auch eine Rückbesinnung auf die sinnliche Präsenz des bewegten Körpers, wie Hümpel erläutert: „Dabei spielen die Tänzer heute eine wesentliche Rolle als Mitgestalter der Stücke und im selben Maße auch die Komponisten, Programmierer und Designer.“
Zu den politischen Stücken zu zählen ist zum Beispiel Lia Rodrigues’ „Fúria“ (20./ 21. Mai, Muffathalle). Rodrigues thematisiert mit ihrer in Rios Favela da Maré arbeitenden Kompanie die prekären gesellschaftlichen Umwälzungen in Brasilien und die damit einhergehende Gewalt im Alltag. Die Arbeit „Delta“ (25./26. Mai, Schwere Reiter) des Chinesen Yang Zhen, bereits ein Dance-Stammgast, will auf die Gefahr der Nivellierung von kulturellem Erbe hinweisen, wenn das britisch geprägte Hongkong sowie das bis 1999 zu Portugal gehörige Macao und das immer schon direkt von Peking regierte Guangzhou zu einer chinesischen Gesamtregion vereint werden.
Zu den langjährigen Partnern wie unter anderen Access to Dance, Residenz- und Gärtnerplatztheater sind neu hinzugekommen das Moosacher Meta Theater und das Kreativquartier an der Dachauer Straße 114. Dort gibt es zum Finale am 25. und 26. Mai eine Reihe mit Diskursen zu neuen Lebensentwürfen, (Musik-)Performances, einen Tanzmarathon der Münchner Choreografin Ceren Oran (an allen Tagen zuvor auch an anderen städtischen Plätzen zu sehen) und eine Clubnacht.
Daneben öffnen zahlreiche bestehende künstlerische und soziokulturelle Projekte im Kreativquartier ihre Türen unter dem Titel „Ring my Bell“ (etwa: „Bitte klingeln“). Und in puncto Auslastung meint Nina Hümpel: „Traditionell gibt es inzwischen ein sehr interessiertes älteres Publikum, das seit den Anfängen des zeitgenössischen Tanzes in den Siebzigerjahren mitgewachsen ist.“ Für die hat Hümpel Koryphäen wie den postmodernen Neoklassiker William Forsythe eingeladen, den schon vor Jahren fürs hiesige Staatsballett kreativen postpostmodernen Richard Siegal und die für ihre Extravaganz und Exotik berühmte Kanadierin Marie Chouinard.
Schwieriger sei es, die Jüngeren zu begeistern, gibt die Kuratorin zu. Aber: Es gebe viele kostenlose Events und Gelegenheiten zum Mittanzen, zum Mitfeiern. Und Hümpel wirbt: Das Programm „Between The Dots Beta“, eine interaktive, computergestützte Aktion von Peter Trosztmer und Zack Settel (23., 24., 25. Mai im Quartier) hole die Smartphone/Tablet-Generation ab, die fast nur noch virtuell unterwegs ist.
Weitere Informationen:
www.dance-muenchen.de; Kartenvorverkauf ab 18. März unter Telefon 089/ 54 81 81 81.