Heute Abend beginnt Purim. Das Fest erinnert an die Rettung des jüdischen Volkes in der persischen Diaspora: Haman, Premier des Königs, plante, alle Juden zu vernichten. Doch der jüdischen Königin Esther gelang es, den Genozid zu verhindern. Wenn Juden in aller Welt heute dieses Freudenfest feiern, kostümieren sich vor allem die Kinder. Eine Erinnerung daran, dass das „Wunder von Purim gewissermaßen maskiert daherkam“, wie es in der Cartoon-Ausstellung „Jewy Louis auf Rollen“ heißt, die gestern Abend im Jüdischen Zentrum eröffnet wurde. Auch Comic-Held Jewy war auf einer Purim-Party und erzählt dem Rabbiner, dass er ein Mädchen kennengelernt habe. Obwohl: Im letzten Bild gesteht er mit zitronensaurer Miene: „Es war nur jemand, der sich als hübsches jüdisches Mädchen verkleidet hat.“
Der niederländische Künstler Ben Gershon, Jahrgang 1985, hat Jewy Louis zur Titelfigur seiner Comic-Reihe gemacht: ein charmantes Kerlchen mit Kippa und Pejes (Schläfenlocken), der als Jude den Alltag in einer (meist) nichtjüdischen Umwelt meistert. Das ist oft komisch, manchmal traurig – immer wurzeln die Zeichnungen jedoch in einer großen Kenntnis von und einer ebensolchen Liebe zu den Menschen und ihren Macken.
Es ist die Stärke der Cartoons, die in Deutschland wunderbar pointiert übersetzt von Katrin Richter in der „Jüdischen Allgemeinen“ erscheinen, dass Gershon selbst mächtige Themen wie Glaube, religiöse Unterschiede, gar Antisemitismus auf kleine Alltagsmomente herunterbricht. Die schönsten Bilderzählungen sind als Buch im Ariella Verlag erschienen. Jetzt hat der Zentralrat der Juden eine kleine, feine Wanderausstellung konzipiert, deren erste Station München ist.
„Jewy Louis auf Rollen“ ist nicht nur komisch, sondern erläutert unangestrengt auch wichtige Aspekte des Judentums. Auf 16 Tafeln werden etwa Feiertage, zudem der „Mitzvah Day“, „Jewrovision“ sowie die Rolle des Rabbiners und die Beziehung zwischen den Religionen erklärt. In den dazugehörigen Cartoons unterzieht Jewy Louis die Theorie dann dem Praxistest – auf seine Art. Für den Betrachter ist das ein lehrreicher Spaß, der mit der Erkenntnis endet, dass die Sherman Brothers mit ihrem Lied „It’s a small World“ richtig lagen: „Es gibt so vieles, das wir teilen/ Es ist an der Zeit, das zu fühlen/ Es ist letzten Endes doch eine kleine Welt.“
Bis 10. April
Mo.-Do. 15-19 Uhr,
St.-Jakobs-Platz 18; Anmeldung erbeten unter Telefon 089/ 20 24 00 491.