Um „Transparenz“ und „Sichtbarkeit“ geht es Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler. Das zu betonen, wird er nicht müde. Deswegen zog er anlässlich der berühmten 100 Tage im Amt nun vor Kulturjournalisten eine kleine Bilanz und bot einen Ausblick. Als Ort dafür wurde ihm von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen das große Atelier des Doerner Instituts (Analyse, Restaurierung, physikalisch-chemische Forschung an Kulturgütern, Beratung, Prophylaxe) im Gebäude der Neuen Pinakothek zur Verfügung gestellt. Mit Lucas Cranach d. Ä. sowie Anthonis van Dyck im Rücken und im Angesicht von König Max II. samt Prinzregent Luitpold zeigte sich der Minister beeindruckt von den Höhen, auf denen er sich bewegen durfte.
Zugleich konnten Generaldirektor Bernhard Maaz und Eva Ortner, Leiterin der Restaurierungsabteilung, beweisen, dass sich beileibe nicht alles um München dreht. Die beiden Münchner Wittelsbacher werden fit gemacht fürs Museum Bayerischer Geschichte in Regensburg; Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg (wohl ein van Dyck) stammt aus der Zweiggalerie in Neuburg an der Donau und die Cranach-Madonna aus Aschaffenburg. Das Team um Ortner kümmert sich gerade um alle 270 Aschaffenburger Werke. Siblers Credo, dass man sich für „ganz Bayern“ engagieren müsse, wird also hier hochgeachtet.
Im Übrigen ist er nicht nur zwischen Selb und München museal unterwegs, wie er berichtet, sondern hat bei den Haushaltsverhandlungen einen Etatzuwachs herausgeschlagen. Heuer wird er insgesamt 792 Millionen Euro ausgeben können, 2020 807 Millionen Euro. Zur Sichtbarkeit gehören „Weltklasse“-Projekte wie das Konzerthaus in München, so Sibler, bei dem die Planung abgeschlossen und der Baubeginn in Sicht sei. Dazu gehöre das Kunstareal, das ein Kulturcampus werden soll, und das Museum der Bayerischen Geschichte, das am 4./5. Juni in Regensburg eröffnet werde. „Ich will die Strahlkraft der Metropolen in die Fläche tragen“, sagt Sibler, „damit die Regionen profitieren. Die Kunst soll verstärkt zu den Menschen kommen.“
„Sichtbarkeit“ heißt für den Minister aber auch, dass er die Arbeit von Bezirks- und Kreisheimatpflegern wahrnehmen möchte genauso wie zum Beispiel Buchhandlungen am Land, die ja dort die Kulturtreffpunkte seien. Dabei sei etwa das Erlanger Poetenfest ebenso bedeutend wie die zukünftige Kooperation des Museums Brandhorst mit dem Neuen Museum Nürnberg oder dass junge Künstler die ministerielle Zeitschrift „Aviso“ gestalten und im Ministerium ausstellen dürfen. Die Förderung schlägt sich auch finanziell nieder – in einem Innovationsfonds von zwei Millionen Euro für die Kunsthochschulen von Musik bis Film. Darüber hinaus soll die Stiftung Kultur in Bayern bürgerschaftliches Engagement herauskitzeln.
Zur „Transparenz“ zählt Minister Bernd Sibler nicht nur seine Pressekonferenz, sondern auch die Findungskommission, die eine Leitungspersönlichkeit für das Haus der Kunst finden soll und beispielsweise, dass die Staatsgemäldesammlungen und das Bayerische Nationalmuseum ihre Zugangslisten aus der NS-Zeit – Stichwort: Raubkunst – online stellen werden. Dazu gehöre die Rückgabe von Raubkunst aus der Kolonialzeit, wie etwa einer australischen Mumie. Ähnlich offen will der Politiker außerdem bei seinem Vorgehen bei Neubauten, Sanierungen und Erhaltungsmaßnahmen agieren.