Dass am Sonntag im Prinzregententheater Alte Musik auf dem Programm steht, ist unschwer zu übersehen: Laute, Gambe und Holzblasinstrumente, die noch aus Holz sind, warten auf ihre Spieler der Akademie für Alte Musik Berlin, kurz Akamus. Zu ihnen gesellen sich die Sänger des Rias Kammerchors mit Chefdirigent Justin Doyle und das Solistenensemble, um mit Bachs Johannes-Passion der Osterzeit musikalisch die Reverenz zu erweisen. Vom ersten Ton an berührt der rauere und intimere Klang des Originalklang-Ensembles.
Wirklich „very british“ leitet Justin Doyle seine Musiker durch die Leidensgeschichte Christi: Lässig, vor allem aber mit einem tiefen Verständnis für die geistliche Chormusiktradition, die er während seiner Ausbildung in der Westminster Cathedral und am King’s College quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat.
Das Solistenensemble ist mit Bedacht zusammengestellt und harmoniert untereinander sowie mit Chor und Ensemble: Da sind in den hohen Lagen Marie-Sophie Pollack, die mit stimmlicher Präsenz den Sopran-Part von Elizabeth Watts übernommen hat, sowie Altus Benno Schachtner, dessen ebenso männlicher wie schwebender Countertenor vielleicht sogar Wasser in Wein zu wandeln vermag. In den mittleren Lagen gibt Werner Güra als Evangelist einen kundigen Führer durch die Passionsgeschichte, während Raphael Höhn seinen nuancierten Tenor in Arien aussingen darf. Ebenso agiert der fast filigrane Bassist Matthias Winckhler, Bariton Dominik Köninger gibt demgegenüber einen kraftvoll-charmanten Jesus gibt.
Wenn es am Ende der Passion heißt: „Es ist vollbracht“ – kann das auch für diesen Konzertabend gelten, an dem gut abgestimmte Solisten, ein klasse Originalklang-Ensemble und ein großartiger Chor von einem einfallsreichen Dirigenten gekonnt ausbalanciert wurden.