„Die Herzen klopfen“

von Redaktion

Die Staatsgemäldesammlungen ziehen eine gute 2018er-Bilanz und starten auch 2019 durch

VON SIMONE DATTENBERGER

„Es wird furios“, sagt Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, und strahlt in die Runde von Presseleuten und Kollegen. „Die Herzen klopfen“, schiebt er während der Jahrespressekonferenz zu seinen Häusern nach. So sehr die Mühsal mit der bevorstehenden Sanierung der Neuen Pinakothek auf ihm lasten mag – „Es gibt nichts Neues zu berichten; wir sind mit der Haushaltsunterlage Bau für den Landtag auf der Ziellinie.“ –, so sehr ist das gesamte Team bei der Alten Pinakothek im Rausch. Die Bilanz für 2018 ist fulminant. Nicht nur, dass die Alte Pinakothek energetisch und lichttechnisch ertüchtigt sowie besucherfreundlicher wurde, sie brillierte obendrein mit einer Ausstellung über Renaissancekunst aus Florenz.

Im Herbst wird eine imposante Präsentation zu Anthonis van Dyck zu sehen sein; und in ein paar Tagen wird die Alte Pinakothek erneut die Herzen der Münchner und ihrer Besucher erobern: Die Exposition „Utrecht, Caravaggio und Europa“ (17.4.-21.7.) wird aufwühlende Dramen bieten und wieder ein Kassenknüller sein. So hoch hergehen wird es in der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne (PDM) nicht. Nach der sensationellen Klee-Exposition und der Jonathan-Meese-Sause 2018 setzt man nun auf  Intimeres. Die Konzentration zielt 2019 auf den zehnten Geburtstag des Museums Brandhorst, das ab Mai Neuerwerbungen vorstellt. Schließlich ist es ein Kind, das wächst.

Währenddessen wandern Gemälde aus der Neuen in die Alte Pinakothek (Sommer). Zwölf Werke von Anselm Feuerbach bis Carl Spitzweg befinden sich bereits in der Sammlung Schack an der Prinzregentenstraße – „Das ist jetzt ein Wallfahrtsort für die Kunst des 19. Jahrhunderts.“ –, und Bilder von Ferdinand Hodler und Edvard Munch in der PDM.

Maaz betont im Gespräch aber auch die anderen, nicht so sichtbaren Aktivitäten des Teams der Staatsgemäldesammlungen. Die reichen von der Provenienzrecherche bei Raubkunstverdacht über restauratorische Pflege/ Rettung der Bestände, das Einsammeln von Drittmitteln, die Betreuung von Ausleiheanfragen, Organisation von flotten Online-Auftritten, Ideen zur Vermittlung bis hin zur kunsthistorischen und maltechnischen Forschung etwa zu van Dyck, Max Beckmann und Emil Nolde.

Ein Ergebnis aus dem Forschungsbereich ist in ein Buch der hauseigenen Schriftenreihe geflossen. Maaz’ Stellvertreter Martin Schawe, in der Alten Pinakothek zuständig für altniederländische und altdeutsche Kunst, hat den Band „Verluste der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im Zweiten Weltkrieg“ vorgelegt. Initialzündung der abenteuerlichen Geschichte war vor über zehn Jahren ein Auktionsangebot in Northfield bei Boston: sechs Bilder von 32, die sich Gauleiter Paul Giesler ausgeliehen hatte und die nach dem Krieg verschwunden waren. Schawe spürte insgesamt 673 Werken nach.

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