Gleich vorweg: Es gibt keine Reihe mit den neun Symphonien. Und das trotz des Beethoven-Jahres 2020, in dem der 250. Geburtstag des Meisters zu feiern ist, sich die Klassikwelt überbieten wird in Zyklen und vor allem der Neunten der Aufführungs-Overkill droht. Stattdessen widmet sich Chefdirigent Mariss Jansons in der Spielzeit 2019/2020 beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks den Beethoven-Ouvertüren, dies verteilt auf mehrere Abende. Dazu spielt Anne-Sophie Mutter einmal das Violinkonzert, einmal mit Promi-Kollegen das Tripelkonzert. Jansons dirigiert noch die Missa Solemnis, auch Klassik am Odeonsplatz im Juli 2020 steht im Zeichen Beethovens: Franz Welser-Möst leitet unter anderem die Siebte und die Chorfantasie, für deren Klavierpart sogar Igor Levit gebucht wurde.
Ansonsten offeriert das Ensemble in der kommenden Saison wieder Stars zum Teil weit jenseits der 60. Herbert Blomstedt (91) steht am Pult, auch Riccardo Muti (77), John Eliot Gardiner (75) und Simon Rattle (64). Doch setzt das Orchester dieses Mal stark auf die jüngere Generation mit Lahav Shani, Robin Ticciati oder Pablo Heras-Casado. Daniel Harding darf Filetstücke des Repertoires dirigieren (etwa Mahlers „Auferstehungssymphonie“), was sehr auffallend ist. Dafür ist – vielleicht als Ausgleich – Hoffnungsträger Yannick Nézet-Séguin mit einem ambitionierteren Programm dabei. Eine Dirigentin findet man nicht, Namen gäbe es genug.
Daniele Gatti gastiert im Oktober, wofür man sich in einer Flucht nach vorn rechtfertigt. Der Italiener musste bekanntlich seinen Chefposten beim Concertgebouworkest Amsterdam verlassen, ihm wird sexuell übergriffiges Verhalten vorgeworfen. Im BR-Orchester, so Manager Nikolaus Pont, sei dies alles diskutiert worden. Auf Basis der bisherigen Informationen fühle man sich weder befähigt noch berechtigt, ein Urteil über Gatti zu sprechen.
Auch wenn öffentlich derzeit nichts zu hören ist, so schreitet laut Pont die Planung des Konzerthauses im Werksviertel voran. Man befinde sich in einer „Phase der stillen Planungsarbeit“. Über den Akustiker werde noch im April entschieden. Dass es in der Stadt eng wird mit Sälen wegen der baldigen Gasteig-Sanierung, sei auch zu spüren. Man suche händeringend nach einem Schauplatz für ein Konzert mit Orchestersolisten unter Jansons – wer also ein Plätzchen frei hätte…
Informationen
unter www.br-so.de.