Franz oder gar nicht

von Redaktion

Gärtnerplatztheater zeigt in der nächsten Saison eine Schubert-Uraufführung

VON MARKUS THIEL

Womöglich saßen sie sich in der Kutsche gegenüber. Auf der einen Seite die schöne Baumeistertochter Josepha, auf der anderen Franz Schubert. Und während sie so fuhren ins niederösterreichische Atzenbrugg, dorthin, wo Schubert oft seine Sommer verbrachte, wuchs die Zuneigung. Doch leider: Keinen Ton brachte der Komponist heraus – anders als am Klavier oder beim gern gepflegten gemeinschaftlichen Singen. Was sich da genau zugetragen hat, ob es wirklich zu komplizierten Liebeständeleien kam, all das wird ab 23. April 2020 auf der Bühne des Münchner Gärtnerplatztheaters thematisiert.

Johanna Doderer, die fürs Haus bereits „Liliom“ schrieb, traut sich dieses Mal eine Schubert-Oper zu. Unterstützt wird sie bei „Schuberts Reise nach Atzenbrugg“ von einem Promi-Dichter – für das Libretto konnte Peter Turrini gewonnen werden. Den Text gibt es schon bei Suhrkamp zu kaufen, während Doderer sich mitten in der Partiturarbeit befindet. Manchmal, so sah sie sich veranlasst zu sagen, wisse sie gar nicht, was von ihr, was von Schubert sei.

Wieder eine Uraufführung also am Gärtnerplatztheater, das in der Saison 2019/2020 seine Serie mit Musiktheater der gemäßigten Moderne fortsetzt. Gewissermaßen als Ausgleich gibt es die Mega-Hits „Rigoletto“ und „Tosca“, während die Bühnenversionen von Händels „Messias“ und Bernsteins „Mass“ als spartenübergreifende Produktionen gedacht sind. Hausherr Köpplinger setzt sich nur einmal in den Regiestuhl, nämlich für die Schubert-Oper, er ist an der Dresdner Semperoper für Offenbachs „Die Großherzogin von Gerolstein“ und an der Wiener Staatsoper für Verdis „Un ballo in maschera“ engagiert.

Die Auslastungsdelle während der mehrjährigen Sanierungszeit hat Münchens Volksoper inzwischen mehr als überwunden. Die Abonnements konnten um sechs Prozent gesteigert werden, wie der Intendant stolz mitteilte. Seit zehn Jahren sei dies der höchste Abo-Stand. Außerdem verzeichne man bis Stichtag gestern eine Verkaufsquote von 91 Prozent für die laufende Saison. Dass nicht alles gut läuft, räumt Köpplinger ein. So sei Peter Konwitschnys hochgelobte Inszenierung von Oscar Straus’ „Der tapfere Soldat“ nicht so gefragt wie gewünscht – trotzdem wolle man die noch verbleibenden vier Abende durchziehen.

Auch in der kommenden Spielzeit sollen Produktionen, die während der Exil-Phase andernorts herauskamen, fürs Gärtnerplatztheater adaptiert werden. Keine leichte Aufgabe gerade bei Inszenierungen fürs wesentlich größere Prinzregententheater, wie Köpplinger sagte. Ergebnis dieser Anstrengungen wird etwa eine Übernahme von „Aida“ sein – Torsten Fischers Inszenierung ist auch im Vergleich zur Bayerischen Staatsoper noch immer der beste Verdi der Stadt. Nicht nur deshalb dürfte Fischers Deutung von Händels „Messias“ mit Spannung erwartet werden – das Oratorium soll in einer szenischen Version aus der Sicht Marias aufgerollt werden.

Nach langer Zeit gibt es wieder einen Tag der offenen Tür, am 14. September wird damit die Spielzeit eröffnet. Endlich sei das Haus soweit fertig gestellt, dass man diese Aktion riskieren könnte, wie Köpplinger anmerkte. Unter anderem kündigte er eine „Geisterbahn auf der Unterbühne“ an.

Informationen

zum Spielplan und zum Vorverkauf unter

www.gaertnerplatztheater.de

Artikel 5 von 9